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Deutscher
Kolonial-Atlas mit Illustriertem Jahrbuch herausgegeben
auf Veranlassung der Deutschen Kolonialgesellschaft, bearbeitet von P.
Sprigade und M. Moisel. Berlin 1914 - Die
Entwicklung Kameruns im Jahre 1913.
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Die Entwicklung Kameruns im
Jahre 1913.
Die Geschichte des
Schutzgebietes stand im letzten Jahre unter dem Zeichen der Grenzregelung. Am
11. März wurde das deutsch-englische Abkommen über die Festlegung der Grenze
von Yola bis zum Croß-Fuß unterzeichnet. Um die gleiche Zeit begannen die
deutsch-französischen Expeditionen zur Festlegung der Süd- und Ostgrenze der
Kolonie gemäß des Marokko-Kongo-Abkommens ihre Arbeit. Sie wurde auch im
laufenden Jahre vollendet und die Offiziere und Forscher, die in einzelnen
Abteilungen die Arbeit zu erledigen hatten, sind bereits im Herbst 1913 wieder
in die Heimat zurückgekehrt. Im letzten Jahre hat auch die Uebernahme und
Uebergabe der ausgetauschten Gebiete sich vollzogen, dergestalt, daß das letzte
Stück, der größere Teil des abgetretenen Logone-Gebiets, am 1. Juni an
Frankreich ausgeliefert wurde und wir gleichzeitig den Besitz antraten in südlicher
gelegenen Strichen nördlich und südlich vom Ubangi-Zipfel.
Die Grenzkommissionen arbeiteten in fünf einzelnen Abteilungen. Bis auf
geringe Zwistigkeiten mit den Farbigen haben sie ihre Aufgaben in friedlicher
Weise lösen können und uns zur Kenntnis von Land und Leuten in dem neuen
Gebietszuwachs gute Dienste geleistet.
Das Schutzgebiet Kamerun wird nun nach einer vorläufigen Messung des geodätischen
Büros des Reichs-Kolonialamts einen ungefähren Umfang von 790.000 qkm haben, während
Alt-Kamerun sich nur ausdehnte über 495.600 qkm; hierbei ist das Areal der (S.
23) [Abbildung] Gewässer, insbesondere auch unser Anteil am Tschadsee,
mitgerechnet, ebenso wie auch die Kamerunbucht und die in sie einmündenden
Krieks. Kamerun ist nun nur um 45.000 qkm kleiner als Deutsch-Südwestafrika.

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Es ist lange
eine vernachlässigte Kolonie genannt worden. Das wird hoffentlich anders
werden, nachdem einmal der Staatssekretär des Reichs-Kolonialamts durch einen
im September und Oktober dieses Jahres ausgeführten mehrwöchentlichen Besuch
das Schutzgebiet näher kennen gelernt und ihm besonderes Interesse
entgegengebracht hat, hauptsächlich aber auch, weil man sich einer der
wesentlichsten Ursachen der Rückständigkeit bewußt geworden ist; des Mangels
an Verkehrswegen.
Um sich über die Möglichkeiten der Erschließung Nord-Kameruns zu
unterrichten, hat Ende des Jahres 1912 Gouverneur Dr. Ebermaier eine Reise nach
Nord-Kamerun angetreten, die erst im Juni 1913 beendet war und sich bis zum
Tschadsee ausdehnte. Der leitende Beamte des Schutzgebietes hatte dabei
Gelegenheit, noch eine Fülle der die allgemeine Landesverwaltung und
Eingeborenen-Politik, Missions- und Schulwesen, Handels- und Verkehrswesen,
Landwirtschaft und Viehzucht betreffenden Fragen sowohl in ihrer besonderen
Bedeutung für den Norden, wie auch in ihrem Einfluß auf die Verhältnisse des
gesamten Schutzgebietes eingehend. Auch die anderen Beamten der Kolonie waren
wiederholt und auf ausgedehnten Reisen unterwegs, beispielsweise der
Medizinalreferent in den Neu-Kameruner Schlafkrankheitsgebieten und der
wirtschaftspolitische Referent in dem Grenzgebiete gegen Spanisch-Muni. Von
anderer Seite werden Missionen mehr wissenschaftlichen Charakters ausgesandt,
wobei auch die von der Deutschen Kolonialgesellschaft in das Gebiet zwischen
Dschang, Fumban, Tibat und Joko ausgesandte Forschungsexpedition des Herrn
Professors und der Frau Thorbecke erwähnt sein muß. Andere Expeditionen, denen
vor allem die Erkundung Neu-Kameruns als Ziel gesteckt ist, befinden sich noch
unterwegs.
Ueber das Verhalten der Eingeborenen bei der Inbesitznahme der uns neu
zugefallenen Striche bemerkt der amtliche Bericht das Folgende: "Was nun
die neu erworbenen Gebiete betrifft, so hat sich deren Uebernahme selbst, von
einem Zusammenstoß abgesehen, den die mit der Besetzung der Wolö-Ntem-Bezirkes
beauftrage 10. Kompagnie bei ihrem Einmarsche zu bestehen hatte, ohne Widerstand
seitens der Eingeborenen vollzogen. Doch läßt sich nicht leugnen, daß sowohl
im Osten wie im Süden die bisher unter französischer Verwaltung stehenden
Eingeborenen den deutschen Behörden vielfach mit Mißtrauen entgegentreten. Als
Ursache hierfür konnte des öfteren festgestellt werden, daß ganz unwahre, den
Stempel böswilliger Erfindung an der Stirn tragende Angaben über Zweck und Art
unserer Verwaltung verbreitet worden waren. Unter diesen Umständen ist nicht zu
verwundern, daß hier und da die ersten Verwaltungsmaßnahmen unserer neuen
Dienststellen und die Tätigkeit der Grenzexpeditionen passiven und gelegentlich
sogar aktiven Widerstand auslösten, der die Geduld und Nachsicht unserer
befohlenermaßen mit äußerster Zurückhaltung vorgehenden Truppen auf die härteste
Probe stellte, und in einzelnen Fällen die Anwendung von Gewalt aus Notwehr
unvermeidlich machte. Namentlich die Fangstämme des Südens erwiesen sich von
vornherein als schwierig und nötigten die Verwaltung des Iwindo-Bezirkes in
Gemeinschaft mit einem Teil der Süd-Grenzexpedition im Interesse ungehinderten
Fortschreitens der Vermessungsarbeiten zu einem Vorgehen gegen die auch von den
Franzosen nie unterworfenen Sanga-Sanga-Leute."
Auch am Schluss des Berichtsjahres waren die Verhältnisse naturgemäß
noch keineswegs in ein ruhiges Fahrwasser geleitet; vielmehr ist es z. B. noch
im Mai im Muni-Bezirke, wo eine besonders unruhige Bevölkerung lebt, zu
Gefechten gekommen, denen bedauerlicherweise auch ein weißer Unteroffizier zum
Opfer fiel.
Wie weit Belehrung und sachgemäße Behandlung führt, hat sich auch im
Berichtsjahre wieder gezeigt. Das allgemeine Verhältnis der Verwaltung zu den
Eingeborenen besserte sich, unbeeinflußt durch die vorstehend geschilderten, in
besonderen Verhältnissen begründeten Vorfälle, auch weiterhin: von wenigen
Ausnahmefällen abgesehen, wurden die Steuern willig bezahlt, Anordnungen der
Behörden befolgt und den Anregungen der Verwaltung auf wirtschaftlichen, sanitären,
ordnungspolizeilichen und ähnlichen Gebieten williges Gehör entgegengebracht.
Die Eingeborenenproduktion hat einen außerordentlichen Rückgang erfahren durch
den starken Niedergang der Kautschukpreise. Dafür erwecken die
Eingeborenenkulturen bessere Aussichten, namentlich den Anbau von Kakao am
unteren Sanaga (S. 24) und vor allem im Jabassi-Bezirke. Im Jahre 1912 haben die
Farbigen in diesen Strichen 715. Tonnen Kakao auf den Markt gebracht. Die
Regierung förderte die Betätigungen in dieser Richtung durch Entsendung von
Sachverständigen und Inspektoren. Auch die Dualas haben an den Ufern der Küstenflüsse
Farmen angelegt, um Maniok, Makabo, Planten, Mais und Jams anzubauen und zwar
mit umso regerem Eifer, als dereinst der gewinnbringende Zwischenhandel immer
mehr zurückgeht. An größeren Plätzen, auch an den größeren
Karawanenstationen des Innern, bietet sich für dergleichen Erzeugnisse immer
Absatz.
Daneben haben aber auch die europäischen Pflanzungen an Ausdehnung beträchtlich
gewonnen, hat sich doch ihre Gesamtfläche von 20.000 ha auf über 28.000 ha
vermehrt, die Zahl der verwendeten Arbeiter von 13.272 auf fast 18.000. An
dieser Vergrößerung haben die Kakaoplantagen des Kameruner Gebirges einen
wesentlichen Anteil gehabt. Ganz außerordentlich ist aber auch die Entwicklung
der weiter landeinwärts gelegenen Tabakpflanzungen. Sie bedecken heute über
150 ha, leiden allerdings etwas unter der Arbeiternot.
Unter so günstigen Umständen ist von 1911 auf 1912 der Außenhandel um beinahe
1/7 gewachsen, wobei auch der Handel mit dem Mutterlande eine beträchtliche
Zunahme zu verzeichnen hatte. Ob auch in 1913 diese Steigerung angehalten hat, läßt
sich in diesem Augenblick noch nicht übersehen. Erfreulich ist, daß die
Branntweineinfuhr nach der Festsetzung der neuen Zollsätze beträchtlich zurückgegangen
ist.
Von besonderer Bedeutung für die Kolonie ist die Legung des Kabels der
Deutsch-Südamerikanischen Telegraphen-Gesellschaft gewesen. Die Strecke
Lome-Duala konnte am 18. Januar 1913 in Betrieb genommen werden, so daß das
Schutzgebiet von diesem Tage ab in seinem Verkehr mit der Heimat von der
englischen Kabel-Gesellschaft abhängig geworden ist.
Der Wirkungskreis der am 5. März in Betrieb genommenen Funkenstation in
Duala hat durch Errichtung einer gleichfalls nach dem Telefunkensystem erbauten
Station auf Fernando-Poo eine Erweiterung erfahren, die für den Verkehr mit
Schiffen in See und dem benachbarten spanischen Generalgouvernement besonders
erwünscht ist.
Schließlich sei noch einer Art Staffettenpost gedacht, die unter dem Namen
"Flaggenpost" (wegen des äußeren Abzeichen des Läufers) in großen
Teilen des Schutzgebietes zur Beförderung eiliger dienstlicher Sendungen eingeführt
worden ist.
Der Erwartung entsprechend, hat sich der Verkehr auf der am 1. April 1911
eröffneten Nordbahn günstig entwickelt. Die Mittelbahn schreitet nur langsam
vorwärts, weil der dichte Urwald die Arbeiten außerordentlich aufhält. Das
Ziel am Njong-Fluß soll erst im Jahre 1916 erreicht werden. Zurzeit sind 153 km
in Betriebe, eine Strecke bis kurz hinter Edea.
Die Zahl der beim Bahnbau beschäftigten Vertragsarbeiter und Tagelöhner betrug
durchschnittlich 5000. Verpflegung und Unterbringung der Vertragsarbeiter wurden
seitens des Gouvernements durch Arbeiterkommissare überwacht und geregelt.
Durch Anlage einer Feldbahn seitlich der Bahnachse und durch Anwendung von
Trockenbaggern für die Erdbewegung in größeren Einschnitten soll ein
beschleunigter Vortrieb der Bahn erzielt werden.
Wenn das Gouvernement aus hier nicht näher darzulegenden, aber zwingenden Gründen
den lange erörterten Plan einer sogenannten Südbahn fallen gelassen hat, so
verkennt es andererseits nicht die unabweisbare Notwendigkeit, den Süden des
Schutzgebietes durch ein ausgedehntes Wegenetz zu erschließen und an die
mittleren, von der Bahn bedienten Bezirke anzuschließen; denn die Bedeutung des
Südens für die wirtschaftliche Entwicklung Kameruns steht außer Frage. Im
Rahmen der zur Verfügung stehenden Mittel, deren wesentliche Erhöhung in
Aussicht genommen ist, wurde daher auch im Berichtsjahre eifrig am Ausbau der
Wege gearbeitet.
Als Ausgangslinie des ganzen Wegesystems im Süden ist die große, von Kribi über
Lolodorf nach Jaunde führende, 286 km lange Hauptstraße nebst ihrer Abzweigung
nach Ebolowa anzusehen. Auf dieser Strecke ist im Laufe des Jahres der Ersatz
der alten Holzbrücken durch Beton- und Eisenbetonbauten bis etwa 80 km
gediehen; auch sonst sind erhebliche Verbesserungen vorgenommen, so daß sich
die Jaunde-Straße immer mehr zu einer auch für Lastautomobile brauchbaren,
wenn auch noch mit einiger Vorsicht zu benutzenden Verbindung gestaltet. Es
haben sich daher auch schon mehrere Firmen zu einer Südkameruner
Lastautomobil-Gesellschaft m. b. H. vereinigt. Auch die Regierung bedient sich für ihre Zwecke schon einiger Kraftwagen
.
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| Quelle:
Deutscher Kolonial-Atlas mit Illustriertem Jahrbuch 1914, auf Veranlassung
der Deutschen Kolonialgesellschaft herausgegeben, bearbeitet von P. Sprigade
und M. Moisel, S. 22ff. |
GM
(digitale Umsetzung) und AG
(Übersetzung) für psm-data
mit freundlicher Unterstützung durch die
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