Startseite Grundlagen Antike Mittelalter Frühe_Neuzeit 18/19Jh/International18/19Jh/Deutschland20Jh/International20Jh/Deutschland Länderverzeichnis Neue_EinträgeForum1GästebuchSuche Impressum
 
Sekundaerliteratur
Mittelalter

[P|S|M]

Die Zeit der Sachsenkaiser 919 - 1024, von Friedrich Neubauer

Heinrich I. (919-936)

Otto I. der Große. (936-973)

- Die Aufstände der Herzöge

- Ausbreitung nach außen. Neue Aufstände

- Die Reichsverwaltung

- Die Begründung des römischen Kaisertums deutscher Nation.

Otto II., Otto III. und Heinrich II.

- Otto II. (973-983)

- Otto III. (983-1002)

- Heinrich II. (1002-1024)

Ergebnisse


Heinrich I. (919-936)

Zu Fritzlar wurde Heinrich von Sachsen durch Franken und Sachsen zum König gewählt; auf diesen beiden Stämmen ruhte das Reich. Die kirchliche Salbung lehnte Heinrich ab. Von den Herzögen von Schwaben, Bayern und Lothringen wurde er zwar anerkannt, mußte ihnen aber tatsächlich fast völlige Unabhängigkeit zugestehen. So erhielt er denn von ihnen auch keine Hilfe, als 924 die Ungarn nach Sachsen einbrachen, und sah sich genötigt, diesen die Zahlung eines Tributs zu versprechen. Die Zeit des Waffenstillstandes benutzte er zur Ausbildung einer sächsischen Reiterei und zum Bau von Burgen, wo er einen Teil seiner Dienstleute Wohnung nehmen ließ, wo der Überschuß der Ernte aufgespeichert wurde, und wohin die Bevölkerung bei feindlichen Einfällen ihre Zuflucht nahm. Aus mehreren dieser Burgen sind in dem bisher städtelosen Sachsen Städte entstanden, wie Goslar, Quedlinburg, Merseburg.

Das neugeschaffene sächsische Heer erprobte er zuerst in Kämpfen gegen die slavischen Wenden, mit denen die Sachsen von jeher in einem mit wilder Grausamkeit geführten Grenzkrieg begriffen waren. Er nahm im Winter die Hauptstadt der Heveller Brennaburg; während darauf seine Grafen die in Mecklenburg wohnenden Abotriten und andere Völkerschaften botmäßig machten, zwang er die Daleminzier, in deren Land der Meißen anlegte, die Böhmen und Lausitzer zum (S. 56) Gehorsam und zur Tributzahlung. - Den Ungarn  verweigerte er darauf den Tribut und schlug sie, als sie wiederum in Sachsen einfielen bei Riade, d.h. wohl bei Rietheburg an der Unstrut. Er zog endlich gegen die Dänen und gründete die Mark Schleswig.

Er starb zu Memleben an der Unstrut und wurde zu Quedlinburg begraben: ein Herrscher, der jeder gelehrten Bildung bar war und nicht schreiben konnte; der im übrigen maßvoll regierte und sich auf das Erreichbare beschränkte. Er hat den Zerfall des Reichs verhütet und die Gründung eines starken [...] Staates vorbereitet, eine Aufgabe, die seinem Sohn Otto zufiel. Besondere Verdienste hat er sich um Sachsen erworben, das er militärisch kräftigte und durch den Bau von Burgen auch kulturell förderte. Durch Unterwerfung der Wenden endlich hat er seit Karl dem Großen den ersten Schritt getan zu Wiedereroberung der [...] Lande rechts der Elbe.

Otto I. der Große. (936-973)

- Die Aufstände der Herzöge

Otto, Heinrichs ältester Sohn aus seiner Ehe mit Mathilde, empfing zu Aachen die Huldigung der Herzöge, die ihm beim Mahle als Kämmerer, Marschall, Truchseß und Schenk Hofdienste leisteten, und ließ sich durch den Erzbischof von Mainz krönen. Er gedachte das Reich einheitlicher zu gestalten und betonte stärker als sein Vater die königliche Gewalt. Dem wollten sich die Herzöge nicht fügen, und es kam zu Aufständen, an denen sich außer den Herzögen von Franken und Lothringen auch Ottos Bruder Heinrich beteiligte, und die den Fortbestand des Reichs bedrohten; erst nach schweren Kämpfen wurde Otto seiner Gegner Herr. [Fußnote: Zunächst wurde der Herzog von Bayern von Otto abgesetzt. Darauf erhoben sich Ottos Stiefbruder Thankmar, der aus der ersten, von der Kirche gelösten Ehe Heinrichs I. stammte, und Eberhard von Franken, der, weil er gegen sächsische Vasallen Selbsthilfe gebraucht hatte, zu einer Strafe verurteilt worden war. Zwar kam Thankmar auf der Gresburg um; und Eberhard, der Ottos jüngeren Bruder Heinrich gefangen genommen hatte, unterwarf sich. Aber Eberhard empörte sich bald von neuem, in Gemeinschaft mit Herzog Eiselbert von Lothringen und Heinrich, der, weil er im Purpur geboren war, den Thron für sich in Anspruch nahm, und dem ein großer Teil des kriegerischen sächsischen Adels anhing. Der Krieg spielte besonders am Rheine. Bei Birten unweit Xanten siegte eine kleine Schar Ottos auf fast wunderbare Weise; bei Andernach endlich wurden Eberhard und Eiselbert von zwei Grafen besiegt und kamen beide um. Damit war der Aufstand zu Ende; seinem Bruder Heinrich verzieh der König. Trotzdem verschwor sich dieser von neuem mit zahlreichen sächsischen Adligen gegen Otto; zu Quedlinburg sollte er ermordet werden. Als der Plan verraten ward, floh er; aber bei der Feier der Weihnachtsmesse zu Frankfurt warf er sich dem König zu Füßen, wurde von neuem begnadigt und blieb ihm seitdem treu ergeben.]

(S. 57) Das Ergebnis dieser Siege war die Begründung einer starken Königsgewalt. Das Herzogtum Franken übernahm der König selbst; Lothringen gab er dem fränkischen Grafen Konrad dem Roten, der zugleich die Hand seiner Tochter Liutgard erhielt, Bayern seinem ihm nunmehr treu ergebenen Bruder Liudolf. Während er so die Herzogtümer an Glieder seiner Familie vergab, beschränkte er zugleich die Herzogsgewalt, indem er den Herzögen Pfalzgrafen zur Seite stellte.

- Ausbreitung nach außen. Neue Aufstände

An der Spitze des innerlich gefestigten Reiches begann Otto eine kräftige äußere Politik. Die Fortführung des Kampfes gegen die Slaven an der unteren Elbe übertrug er Hermann Billung, dem Stammvater des späteren sächsischen Herzogsgeschlechts, an der mittleren Elbe dem Markgrafen Gero, einem harten, grausamen Kriegsmann; einen großen Wendenaufstand schlug der König selbst nieder. Nach Geros Tode, der in dem von ihm gestifteten Kloster Gernrode am Harz starb, wurde seine Mark in die Marken Lausitz, Meißen und die Nordmark geteilt. Zugleich entstanden die Bistümer Havelberg, Brandenburg, Merseburg, Zeits, das später nach Naumburg verlegt wurde, und Meißen. In dem gegen Ende seiner Regierung gegründeten Erzbistum Magdeburg fand die Wendenmission ihren Mittelpunkt.

Zugleich aber machte sich der deutsche Einfluß den anderen Reichen gegenüber geltend, die durch Auflösung des Karolingerreiches entstanden waren. In Frankreich griff Otto zugunsten des Königs gegen einen übermächtigen Vasallen ein und zog mit einem der sächsischen Heere bis vor Rouen. Ebenso schützte er in Burgund, das durch Vereinigung von Hoch- und Niederburgund entstanden war, den jungen König gegen den aufsässigen Adel. Er zog endlich nach Italien, das seit Jahrzehnten durch die Kämpfe der Machthaber um den Thron auf das schwerste litt; eben jetzt hatte Markgraf Berengar von Jvrea die Witwe des letzten Königs, Adelheid, in seine Gewalt gebracht und suchte sie zu nötigen, seinem Sohne die Hand zu reichen. Aber sie entkam aus der Haft und rief den deutschen König um Hilfe an. Schon Ottos Bruder Heinrich von Bayern und sein Sohn Liudolf von Schwaben hatten begonnen, die benachbarten Teile Italiens zu erobern; jetzt überschritt er selbst die Alpen, vermählte sich in Pavia mit Adelheid [Fußnote: Seine erste Gemahlin Editha, neben der er in Magdeburg begraben liegt, war eine angelsächsische Prinzessin] und nahm den Titel eines Königs der Langobarden (S. 58) an. Doch übertrug er das Königreich Italien an Berengar als Lehen, während Heinrich Friaul und Verona erhielt.

Über die Bevorzugung Heinrichs erbittert, schloß sich Liudolf mit seinem Schwager Konrad von Lothringen zusammen; beiden empörten sich. Otto geriet in eine gefahrvolle Lage; zugleich brachen in das vom Bürgerkrieg zerrissene Deutschland wieder die Ungarn unter furchtbaren Verheerungen ein. Aber gerade diese nationale Gefahr bewirkte, daß die Empörer ihren Anhang verloren; sie mußten sich unterwerfen, und Liudolf verlor Schwaben, Konrad Lothringen. Letzteres unterstellte Otto seinem jüngsten Bruder Bruno, der Geistlicher geworden und von ihm zum Kanzler des Reichs und zum Erzbischof von Köln erhoben worden war; später teilte er es in die Herzogtümer Ober- und Niederlothringen und tat so den ersten Schritt zur Zertrümmerung der Stammesherzogtümer.

Die Ungarn wurden 955 von Otto bei Augsburg auf dem Lechfelde völlig und entscheidend geschlagen; in dieser Schlacht fiel Konrad der Rote, der den Heerhaufen der Franken führte. Seitdem hörten die Einfälle der Ungarn auf; sie wurden allmählich ein seßhaftes Volk.

- Die Reichsverwaltung

Nunmehr war Ottos Herrschaft in Deutschland gesichert. Eine feste Residenz hatte er nicht; sein Hof wanderte von Pfalz zu Pfalz, wo er die Überschüsse der nahegelegenen Reichsgüter aufzehrte. Dann die wichtigsten Staatseinkünfte stammten auch ferner aus den ausgedehnten Gütern des Reiches und der Kirche. Dazu kamen die Einkünfte aus der Gerichtsbarkeit, dem Zoll- und Münzregal, auch aus den Bergwerken, die unter Otto im Harz bei Goslar entstanden, und die Tribute unterworfener Völker, besonders der Wenden. Auf seinen Pfalzen hielt der König Gericht ab. Eine allgemeine Gesetzgebung wurde nicht ausgebildet. Ein Maifeld gab es nicht mehr; zur Zeit der großen Kirchenfeste pflegte Otto seine weltlichen und geistlichen Großen zu Reichsversammlungen um sich zu vereinigen.

Seit Otto die Erfahrung gemacht hatte, daß er, auch wenn er die Herzogtümer an seine nächsten Verwandten verlieh, nicht vor Abfall sicher sei, suchte er seine Stütze noch mehr als bisher in der Kirche. Er hatte sie, wie er denn eine tiefreligiöse Natur war, schon bisher durch Bistumsgründungen gefördert; er war zugleich ernsthaft bemüht, ihren sittlichen Geist zu heben. Sein Bruder Bruno besonders war es, unter dessen Einwirkung sich die Bildung der Geistlichen (S. 59) hob und eine Reformation des kirchlichen, besonders des klösterlichen Lebens in Deutschland angebahnt wurde; in derselben Zeit standen in Frankreich die von dem burgundischen Kloster Cluny ausgehenden Gedanken einer Klosterreform, deren Ziel der Herstellung stregnster mönchischer Zucht und unbedingten Gehorsams war, weite Verbreitung, und zahlreiche Klöster nahmen die kluniazensische Regel an. - Gleichzeitig verlieh Otto Bistümern und Klöstern reichen Landbesitz und staatliche Hoheitsrechte, z. B. die Gerichtsbarkeit außer dem Blutbann, das Zoll- und Münzrecht, das Marktrecht, d. h. das Recht, Märkte abzuhalten, die Marktgerichtsbarkeit auszuüben und die Marktgefälle einzunehmen. Während er so die Kirche innerlich und äußerlich stärkte, wahrte sich Otto zugleich die unbedingte Herrschaft über sie. Er zog das Kirchengut in demselben Maße wie das Reichsgut zur Verpflegung des Hofes heran; für seine Kriege stellte die Kirche einen beträchtlichen Teil der Reisigen; die Ernennung der Bischöfe und Reichsäbte behielt er sich durchaus vor. In ihnen schuf er sich, nachdem sich durch die Entwicklung des Lehnswesens das in fränkischer Zeit entstandene Beamtentum in einen bevorrechteten, ritterlichen Adel umgewandelt hatte, ein neues geistliches Beamtentum, bei dem eine Vererbung der Lehen von vornherein ausgeschlossen war und auf dessen Gehorsam er so lange zählen durfte, als ihm das Papsttum untertänig war.

- Die Begründung des römischen Kaisertums deutscher Nation.

Die Herrschaft über das Papsttum gewann Otto auf einem zweiten Zuge nach Italien, der dadurch veranlaßt wurde, daß sich Berengar unbotmäßig zeigte. Otto zog nach Rom und ließ sich von dem Papste, dem jugendlichen, sittenlosen Johann XII., zum Kaiser krönen. So erneuerte er die enge Verbindung zwischen Deutschland und Italien, wie er die enge Verbindung von Staat und Kirche erneuert hatte. [...]

Als der Papst bald darauf von ihm abfiel und sich mit Berengar verbündete, zog er von neuem nach Rom, ließ ihn durch eine Synode absetzen und einen neuen Papst wählen, den er gegen alle Angriffe der Gegner beschützte. Die Römer verpflichtete er, einen neu gewählten Papst nicht zu weihen, ehe er ihn bestätigt habe. Berengar mußte sich ergeben und starb in Deutschland.

Zum dritten Male zog Otto 966 über die Alpen und ließ seinen zwölfjährigen Sohn Otto, der bereits die deutsche Krone trug, - (S. 60) Liudolf war gestorben - zum Kaiser krönen. Er suchte zugleich seine Herrschaft auf Unteritalien auszudehnen. Nach langen Verhandlungen mit dem oströmischen Kaiserhof kam die Vermählung Ottos II. mit der Prinzessin Theophano zustande.

Otto I. starb in Memleben und wurde zu Magdeburg begraben. Er war ein edler und hochgesinnter Herrscher, unerschütterlich in seinen Entschlüssen, rücksichtslos im Kampfe gegen seine Feinde, zugleich aber ein Fürst von tiefer Frömmigkeit, der seine kaiserliche Würde als ein ihm von Gott selbst übertragenes Amt auffaßte [...].

Otto II., Otto III. und Heinrich II.

- Otto II. (973-983)

Otto II. bestieg den Thron im Alter von 18. Jahren [Fußnote: Seinem Vetter, Heinrich dem Zänker, nahm er, als er sich gegen ihn erhob, das Herzogtum Bayern; zugleich löste er Kärnten von Bayern los. Bei Beginn der Regierung Ottos III. erhielt Heinrich Bayern wieder.], ein tatkräftiger und kühner Fürst. Als Lothar von Frankreich plötzlich in Lothringen einbrach und Aachen nahm, fiel er in Frankreich ein und drang bis Paris vor. Darauf ging er über die Alpen und versuchte im Kampfe mit Griechen und Sarazenen Unteritalien zu erobern. Aber bei Cotrone am Kap Colonne wurde er nach anfänglichem Siege völlig geschlagen, sein Heer vernichtet, er selbst beinahe gefangen genommen. Nachdem er darauf seinen dreijährigen Sohn Otto in Verona von deutschen und italienischen Großen hatte zum König wählen lassen, ging er nach Rom, wo er mitten in den Vorbereitungen zu einem neuen Feldzuge plötzlich starb; seine Gebeine ruhen in der Krypta der Peterskirche. Indessen war in den ostelbischen Landen ein großer Aufstand der Wenden ausgebrochen, durch den die Eroberungen Heinrichs I. und Ottos I. rechts der Elbe verloren gingen und ihre kirchlichen Gründungen zerstört wurden.

- Otto III. (983-1002)

Für das Kind, das jetzt den Thron bestieg, führte Theophano die Regentschaft, nach ihrem Tode Adelheid; den Frauen standen der Erzbischof Willigis von Mainz und andere Bischöfe zur Seite. Unter geistlichem Einfluß erhielt der hochbegabte, frühreife königliche Knabe eine sorgfältige gelehrte Bildung. Erfüllt von den Ideen der religiösen Erneuerung und der (S. 61) Askese, die allenthalben die kirchliche Welt erfaßten, durchdrungen zugleich von phantastischen Plänen eines theokratischen Universalreichs, dessen Mittelpunkt nicht in dem "bäurischen" Norden, sondern in Rom liegen sollte, zog er, um die Weltherrschaft zu gewinnen und die Kirche zu reformieren, als Sechzehnjähriger über die Alpen. Zum Papst erhob er einen jugendlichen Verwandten, Bruno, der ihn krönte. Er selbst baute sich einen Palast auf dem Aventin und umgab sich mit einem prachtvollen Hofstaat; zugleich aber trat er in immer engeren Verkehr mit asketischen Einsiedlern und Geistlichen, wie dem Böhmen Adalbert von Prag, der gleich darauf durch die heidnischen Preußen den Märtyrertod fand. Dessen Grab in Gnesen besuchte er im Jahre 1000 und stiftete dort ein Erzbistum; nachdem er dann Karls des Großen Gruft in Aachen hatte öffnen lassen, kehrte er nach Italien zurück. Da starb er in einer Burg der Campagna; in Aachen wurde er bestattet. 

Sein Tod rief in Deutschland innere Wirren hervor. Zugleich erstarkten in jener Zeit die östlichen Gebiete: in Polen, das durch Gründung des Erzbistums Gnesen eine nationale Kirche erhalten hatte, schuf Boleslav Chrobry, d. h. der Tapfere, einen nationalen, mächtigen Staat; dasselbe geschah in Ungarn durch Stephan, der sich mit einem großen Teile seines Volkes taufen ließ und die "Stephanskrone" unmittelbar vom Papst Sylvester zugesandt erhielt. Es waren dieselben Zeiten, in denen auch Dänemark und Skandinavien das Christentum annahmen.

- Heinrich II. (1002-1024)

Unter schwierigen Verhältnissen bestieg Heinrich II. von Bayern, der Sohn Heinrichs des Zänkers, den Thron. Er war ein vorsichtig erwägender, aber an seinen Plänen mit zäher Tatkraft festhaltender König, der den phantastischen Träumen Ottos III. sehr fern stand. Der Kirche war er freundlich gesinnt, wie er denn das Bistum Bamberg in fast heidnischer, von Slaven bewohnter Gegend gründete, hielt jedoch an dem Rechte, Bischöfe und Äbte zu ernennen und das Kirchengut zu den Kosten der Reichsverwaltung heranzuziehen, mit Strenge fest.

Im Innern hat er vielfach Aufstände bekämpfen müssen. Gegen Boleslav Chrobry unternahm er mehrere Feldzüge, mußte aber die Lausitz als Reichslehen in seiner Hand lassen. Dreimal war er in Italien; auf dem ersten Zuge ließ er sich in Pavia die lombardische Königskrone, auf dem zweiten zu Rom die Kaiserkrone (S. 62) aufsetzen; auf dem dritten griff er in die unteritalischen Kämpfe ein. [Fußnote: In jener Zeit rettete eine aus dem Heiligen Lande zurückkehrende Schar normannischer Ritter die Stadt Salerno vor dem Angriff der Sarazenen. Bald kamen größere Scharen, um im Dienste des Papstes am Kampfe gegen Griechen und Sarazenen teilzunehmen.] Von Bedeutung war es ferner, daß der kinderlose König Rudolf von Burgund ihm als dem Sohn seiner Schwester die Erbfolge in seinem Lande zusprach. 

Ergebnisse

Die Sachsenkönige haben das Verdienst der Begründung eines deutschen Staates und einer kräftigen Königsgewalt. Zwar haben auch sie ihre Machtentfaltung nicht auf die Grenzen Deutschlands beschränkt, sondern die Zersplitterung Italiens benutzt, um es zu unterwerfen. Gewiß war die Beherrschung Roms und Italiens und der Besitz der Kaiserkrone für den deutschen König ein wesentlicher Machtzuwachs, sicherte ihm die Herrschaft über seine geistlichen Beamten, füllte seine Kassen und verband das deutsche Volk mit dem kultivierten Süden; aber die deutschen Könige entzogen sich dadurch näher liegenden Aufgaben, der Niederhaltung der Vasallen, der Eroberung des slavischen Ostens. Ferner war allerdings auch jetzt der innere Zusammenhang des Reiches noch nicht gefestigt genug. Die Herzöge und Grafen waren nicht Beamte mehr, sondern belehnte Vasallen, und die Erblichkeit der Lehen wurde immer mehr Rechtsgrundsatz; dazu kam, daß die Stammesgegensätze auch ferner lebendig waren und zumal der trotzige Adel der Sachsen eine Sonderstellung für sich in Anspruch nahm. Aber in den Bischöfen war ein Beamtentum gewonnen worden, das zunächst treuer, abhängiger und tüchtiger war als die weltlichen Fürsten. Aus den Heeren verschwand allmählich das bäuerliche Aufgebot; sie wurden kleiner, bestanden aber aus Berufskriegern. Mit den Finanzen des Reiches war es gut bestellt, solange das Reichsgut seine Ausdehnung behielt und die Könige auch über das Kirchgut verfügen konnten.

Die Entwicklung des neuen Standesunterschiedes zwischen dem ritterlichen Adel und den Bauern nahm ihren Fortgang. Die Bauern waren zu hörigen Leuten geworden, aber nicht, wie z. B. in Polen, zu Leibeigenen; sie behielten vielmehr zum Teil die vererbte Gerichtsverfassung und sprachen unter sich auch ferner Recht im echten Ding.

Das wirtschaftliche Leben hob sich langsam. Der Ackerbau warf, zumal auf den sorgsam verwalteten Gütern der Kirche, immer höhere (S. 63) Erträge ab, und der bestellte Boden dehnte sich immer weiter aus; unter dem Gesinde der großen Gutshöfe; vornehmlich derer, die der Kirche angehörten, entwickelte sich eine geregelte, freilich noch unfreie Gewerbtätigkeit; dazu waren unter dem Schutze des königlichen Marktfriedens an günstig gelegenen Punkten die ersten Märkte entstanden, Verkehrsmittelpunkte für die Umgegend, an denen ein lebhafterer Austausch des Getreides, Viehs, gewerblicher Erzeugnisse möglich war.

Auch das geistige Leben war fortgeschritten. Unter den Klöstern, welche Wissenschaft und Kunst pflegten, steht St. Gallen voran; zur Zeit Heinrichs I. dichtete der Mönch Eckehard von St. Gallen in lateinischen Hexametern das Waltharilied. Besonders war es die Geschichtsschreibung, die der Geistlichkeit am Herzen lag: der Mönch Widukind von Corveym die Nonne Hrotsvitha von Gandersheim, die auch lateinische Komödien verfaßte, der Bischof Thietmar von Merseburg schrieben die Geschichte der sächsischen Könige. Geistliche waren es auch, welche die Baukunst pflegten; es entstanden die ersten romanischen Basiliken. Mönche schrieben die Handschriften ab und verzierten sie mit Miniaturen; und das Kunsthandwerk fand, wie es vornehmlich für die Kirche arbeitete, so auch in den Klöstern besondere Pflege.

[zurück] [weiter]





aus: Neubauer, F., Lehrbuch der Geschichte für höhere Lehranstalten, Ausgabe A, IV. Teil, 19. Auflage. Halle a.d.S. 1915, S. 55-63

GM (digitale Edition) für psm-data