| Primaerliteratur |
| 20. Jahrh. | Deutschland | Drittes Reich | [P|S|M] |
Reinhold Maier - Rede vor der Demokratischen Volkspartei 1947
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Reinhold Maier war
langjähriger Bundesvorsitzender der FDP und ehemaliger MP des Landes
Baden-Württemberg. Der Untersuchungsausschuss von 1947 sollte die Frage
klären, warum der Reichstagsabgeordnete Reinhold Maier von der Staatspartei
für das Ermächtigungsgesetz stimmte.
Dieser Artikel 2 ist der
entscheidende Artikel: In den Vordergrund der Beurteilung ist die unangreifbare
Tatsache zu stellen: Dieser Artikel gab der Reichsregierung kein Jota mehr, als
das Kabinett Hitler und einzelne Vorgänger sich schon angemaßt hatten. [...]
Als wir das
Ermächtigungsgesetz studierten, hielten wir drei Gedankengänge scharf
auseinander: Was steht darin? Was wird daraus gemacht? Und: Wird es überhaupt
gehalten? Wäre es nämlich eingehalten worden, so wäre ein Fortschritt in
Richtung zurück auf die Verfassung erzielt gewesen, und zwar ein
beträchtlicher gegenüber dem seit Sommer 1932 bestehenden Zustand vollkommener
Gesetzlosigkeit.
(Zwischenrufe: Hört! Hört!)
Wir wussten sehr wohl, dass
Hitler, auf sich selbst gestellt, sich an das Ermächtigungsgesetz nicht halten
werde. Bedeutsame Gegenkräfte hielten ihn damals noch in Schach. Diese
Gegenkräfte konnte an Einfluss verlieren, sie konnten aber auch gewinnen. [...]
Unter allen, gleichermaßen
unter den Jasager des Ermächtigungsgesetzes, wie unter den Neinsagern, war das
Gefühl vorherrschend, dass wahrscheinlicherweise am 5.März die Schlacht für
die Demokratie verloren gegangen war und zwar durch die Abstimmung des Volkes.
[...]
Unsere Unterhändler sprachen
mit Brüning. Man erwog miteinander das Ja und das Nein. Wir sprachen auch mit
den sozialdemokratischen Führern, leidenschaftslos, desillusioniert, vielfach
deprimiert. Jeder sah den Ernst und die absolute Zweifelhaftigkeit der Lage.
Keiner derer, die Nein zu sagen entschlossen waren, wäre etwa bereit gewesen,
den Andernsdenkenden, den Anderstaktierenden einen Hundsfott zu heißen. [...]
Wir ließen es nicht zu,
daß
die links der nationalen Front sitzenden Reichstagsabgeordneten sinnlos
zusammengetrampelt wurden. Schätzungsweise zwanzig bis an die Zähne bewaffnete
SA- und SS-Männer kamen auf jeden oppositionellen Reichstagsabgeordneten im
Reichstagsgebäude und ungefähr die Hälfte davon stand im
Reichstagssitzungssaal. Wir haben auch den Neinsagern das Leben gerettet.
(Beifall) Wir ließen aber auch nicht zu, daß die Verfassung von Weimar an
jenem Tage zusammengeschlagen wurde. Sie wäre auf immer dahin gewesen.
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| Quelle: Hofmann, Wilhelm (1982) - Reinhold Maier, Die Reden. Eine Auswahl. Stuttgart, S.39-40; zit. nach:
Morsey, Rudolf, Das "Ermächtigungsgesetz" vom 24. März 1933. Düsseldorf 1992, S. 154f |

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