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Houdini 6 Pro – 64bit Multiprozessor Version –

Aus der ZUM Redaktion, geschrieben von Heinz-Willi Jansen am 03.11.2017
 Auf amazon.de kaufenerschienen bei ChessBase GmbH, Hamburg; ISBN 978-3-86681-626-8; Preis 99,90 €

Am 15. September 2017 war es so weit: die nächste Version der hochgerühmten Schach-Engine „Houdini“ des belgischen Programmierers Robert Houdart erschien in der Version 6, am 24.09.2017 folgte die Version 6.01 und am 01.10.2017 gab es dann die derzeit aktuelle Ausgabe 6.02. zu kaufen (eine sehr zügige Update-Taktung).

Der Hamburger Marktführer für Schachsoftware – die Firma ChessBase – beschrieb (wie schon zuvor bei vielen anderen Engines auch) „Houdini 6“ als das derzeit beste Schachprogramm, welches einen ELO-Zuwachs von rd. 60 Punkten mit sich bringen würde. Erzielt würde dies zum Teil durch aufeinanderfolgende Überraschungen (?) mit verborgenen Ressourcen (?). Eine konkrete Erläuterung bleibt jedoch aus...

Die Stellungsbewertung, das Suchen und auch die Nutzung der Endspieldatenbanken „Syzygy“ (leider nicht im Lieferumfang enthalten) wurden deutlich optimiert – dass mehrere Prozessorkerne genutzt werden können, versteht sich bei einer 64bit-Software von selbst. In der Pro-Version werden bis zu 128 Kerne und 128 GB Arbeitsspeicher unterstützt, die Standardversion (knapp 80 Euro) schafft immerhin bis zu 8 Kerne und 4 GB Arbeitsspeicher.

Der Lieferumfang ist wahrlich beachtlich:
* Houdini 6 Pro Engine (inkl. Houdini 6 Standard)
* Fritz 15 Programmoberfläche
* Eine Premium-Mitgliedschaft für den Schachserver „playchess.com“ und für Ihren persönlichen ChessBase-Account (6 Monate)
* Uneingeschränkter Online-Zugriff auf die größte Analysedatenbank „Let’s Check“ mit mehr als 200 Mio. Engine-Analysen (6 Monate)

Den Zugriff auf „Let’s Check“, die Mitgliedschaft für den Schachserver „playchess.org“, sowie den ChessBase-Account für 6 Monate gab es zwar schon in früheren Versionen, es freut einen aber, dass diese Features auch weiterhin erhalten blieben.

Ein weiteres Highlight des Gesamtpakets ist die grafische Oberfläche (Fritz 15-GUI), die den Benutzer das lange vertraute „Touch and Feel“ genießen lässt. Vereinfacht ausgedrückt heißt das z.B. für einen Autofahrer: der Wagen bleibt, lediglich am Motor wurden Verbesserungen „en detail“ vorgenommen.

Damit könnte die vorliegende Rezension schon fast beendet sein, wenn da nicht einige Besonderheiten auffielen, die – zumindest mir – den Enthusiasmus über das Schachprogramm deutlich genommen haben. Doch eins nach dem anderen:

Was wäre die Betrachtung einer neuen Schach-Engine ohne einen Leistungstest, der die versprochenen Merkmale (u.a. ein Leistungszugewinn im Vergleich zu anderen Programmen) ein wenig verifiziert? Aus diesem Grund habe ich mit der mir zur Verfügung stehenden Hardware (Intel Core i7 6700K @ 4 GHz, 32 GB RAM, Windows 10 Pro, 3 SSD-Festplatten, NVidia GeForce GTX 1070 mit 8 GB) genauer nachgesehen. Ich ließ „Houdini 6 Pro“ sowohl in mehreren Engine-Zweikämpfen als auch in einigen Engine-Turnieren mit anderen Maschinen antreten. Die zum Teil überraschenden, für mich völlig unerwarteten Ergebnisse möchte ich in kleinen tabellarischen Übersichten darstellen.

1. Vergleich (Blitzturnier, 100 Partien, 5 Min., kein Eröffnungsbuch, keine Datenbank, keine Endspieltables, gleiche Cores-Anzahl und je 8192 GB RAM):
Houdini 6.02 Pro x64 – Houdini 5.01 Pro x64 (27 Siege, 59 Remis, 14 Niederlagen)

Der klare Vorteil darf nicht verwundern, da es sich um einen Vergleich mit der Vorgängerversion handelte.

2. Vergleich (Bedingungen s. oben):
Houdini 6.02 Pro x64 – Komodo 10.3 64-bit (48 Siege, 42 Remis, 10 Niederlagen)

Ein klares Ergebnis zugunsten der Houdini-Engine gegen die vorletzte Komodo-Version. Das aktuelle Komodo 11 lag mir leider nicht zum Testen vor.

3. Vergleich (Bedingungen unverändert):
Houdini 6.02 Pro x64 – Houdini 6.02 x64 Standard (10 Siege, 64 Remis, 26 Niederlagen)

Hier tauchte für mich eine erste kleine Überraschung auf, da die Standardversion der Pro-Version doch recht deutlich überlegen schien. Ich entschied mich zur weiteren Klärung, kostenlose Open-Source-Engines dem Teilnehmerfeld hinzuzufügen, was durchaus legitim sein dürfte. Normalerweise sollte ein solcher Vergleich einer kommerziellen Software keine großen Probleme bereiten.

4. Vergleich (weiterhin unveränderte Bedingungen):
Houdini 6.02. Pro x64 – Stockfish 281017 64 (17 Siege, 42 Remis, 41 Niederlagen)

Ein klarer Leistungseinbruch für die hochgelobte Houdini-Engine, in Prozent ausgedrückt bedeutet dies, dass „das beste Schachprogramm, das es derzeit auf dem Markt gibt“ nur 17% seiner Partien gewinnen konnte.

5. Vergleich (Bedingungen identisch):
Houdini 6.02 Pro x64 – asmFishW_2017-10-04 (8 Siege, 52 Remis, 40 Niederlagen)

Ebenfalls eine klare und deutliche Niederlage des vermeintlich besten aktuellen Schachprogramms. In Prozent ausgedrückt schaffte Houdini 6 Pro x64 lediglich 8 Prozent Siege.

6. Vergleich (gleiche Bedingungen):
Houdini 6.02 Pro x64 – SugaR XPrO 1.3 x64 (30 Siege, 16 Remis, 54 Niederlagen)

Und auch bei diesem Vergleich blieb Houdini nur zweiter Sieger. Beim 4., 5. und 6. Vergleich handelt es sich beim jeweiligen Zweikampfsieger um Stockfish-Derivate, was bei mir den Anschein erweckte, als ob die Houdini-Engine mit den Stockfish-Algorithmen größte Probleme hätte. Ich habe bei meinen Leistungsvergleichen ganz bewusst darauf geachtet, dass es für keine der getesteten Engines eine Buch- oder Datenbankhilfe gab (die die Resultate hätten verfälschen können), die reine (!) Enginestärke sollte in meinem Rahmen und mit meinen Möglichkeiten getestet werden. Letztlich habe ich dann noch 2 Engineturniere mit mehreren Teilnehmern und gegenseitigen Partievergleichen durchgeführt.

Folgende Vorgaben habe ich dafür gesetzt: kein Buch, keine Datenbank, Vier-Rundenturnier, mit jeweils 5 Minuten Bedenkzeit, gleiche Core-Anzahl (2), gleicher Cache (8196 GB) Hier nun die Resultate:

1. Turnier:
1. SugaR XPrO 1.3 x64 (17 Siege aus 28 Partien)
2. Houdini 6.02 Pro x64 (17 aus 28)
3. Houdini 6.02 x64 (17 aus 28)
4. Stockfish 281017 (15 aus 28)
5. Stockfish 8 64 (14 aus 28)
6. Houdini 5.01 Pro x64 (14 aus 28)
7. Komodo 10.3 64-bit (11 aus 28)
8. Komodo 9.1 64-bit (7 aus 28)

Die Positionen 1. – 3., bzw. 5. – 6. wurden durch Wertung nach Sonneborn-Berger festgelegt. Auch hier fiel wieder auf, dass die Houdini-Engines eindeutig den Stockfish-Engines, bzw. deren Derivaten stark unterlegen waren.

2. Turnier (gleiche Bedingungen):
1. Stockfish 281017 (8 Punkte aus 12 Partien)
2. SugaR XPrO 1.3 x64 (7 aus 12)
3. Houdini 6.02 x64 (5,5 aus 12)
4. Houdini 6.02 Pro x64 (3,5 aus 12)

Die Houdini-Engines kamen mit den Stockfish-Engines nicht klar, im Besonderen versagte die Houdini 6.02 Pro-Version.

Systemvoraussetzungen:
Minimum: Pentium III 1 GHz, 2 GB RAM, Windows 7/8/10, DirectX9, Grafikkarte mit 256 MB, DVD-ROM-Laufwerk, Windows Media Player 9, Internetzugang zur Aktivierung / Aktualisierung

Empfohlen: PC Intel i5 (Quadcore), 4 GB RAM, Windows 10 oder 8.1, DirectX10, Grafikkarte ab 512 MB, DirectX10-kompatible Soundkarte, Windows Media Player 11, DVD-Laufwerk, Internetzugang zur Aktivierung / Aktualisierung

Fazit:
Ein knappes Jahr nach Veröffentlichung der Vorversion „Houdini 5“erschien „Houdini 6“, ausgestattet mit einem umfangreichen Paket (s.o.) und zahlreichen Vorschusslorbeeren. Der Lieferumfang und die beigefügte Programmoberfläche (Fritz 15 wie beim Vorgänger) wissen zu überzeugen. Überragend ist ebenfalls die Einbindung leistungsstärkster Hardware bis hin zu 128 Cores und 128 GB RAM – gigantisch!

Der 6-monatige Premium-Zugang zu „playchess.com und die Möglichkeit, an der ChessBase Cloud mit eigenem Account und auch an „Let’s Check“ für sechs Monate kostenlos teilzuhaben, sind gut und hilfreich für den engagierten Schachfreund.

Aber dann..... – in den aufgezeigten Testszenarien (Engine-Zweikämpfe, bzw. Engine-Turniere) kommt die aktuelle Houdini 6-Software stark „ins Schleudern“. Von mir unerklärbare Leistungseinbrüche (vor allem gegenüber den Stockfish-Derivaten) enttäuschen einen Schachliebhaber und –kenner doch sehr. Das darf so nicht sein! Keine Engine ist fehlerfrei und immer siegreich, das ist jedem klar. Aber diese Defizite sind so nicht hinnehmbar. Trotz des guten Gesamtpakets ist das Produkt im Leistungsvergleich mit anderen Bewerbern (Stockfish-Derivate) – die auch noch Open-Source-Software und damit kostenlos sind, nicht empfehlenswert.

Wer auf den Premium-Account für „playchess.com“ sowie einen 6-monatigen ChessBase-Account, die Fritz 15-Oberfläche und Online-Zugriff auf die weltweit größte Analysedatenbank „Let’s Check“ verzichten kann, der kann 99,90 Euro sparen. Es gibt kostenlose Schach-GUIs (Oberflächen) genug – gleiches gilt für zahlreiche Open-Source Schach-Engines.

Trotz der Wermutstropfen, die ich jetzt ausschenken musste, recht herzlichen Dank an die Hamburger Firma ChessBase für das kostenlose Rezensionsexemplar.

Heinz-Willi Jansen
(Pensionär und Co-Administrator auf ZUM-Schach)

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