„The Sicilian Kan Variation“ – Valeri Lilov

Aus der PSM Redaktion, geschrieben von Heinz-Willi Jansen am 06.06.2010
 Auf Amazon.de kaufenaus der Reihe: fritztrainer opening (englischsprachig) ChessBase GmbH, Hamburg; ISBN 978-3-86681-169-0, Preis 27,50 Euro

Valeri Lilov (Spitzname Tiger Lilov, Homepage unter „www.tigerlilov.com“) ist ein noch junger bulgarischer FIDE-Meister (geb. 1991 – mittlerweile erreichte er zusätzlich zwei IM-Normen), der seit einiger Zeit durch seine Tätigkeit als Kommentator und Schachtrainer (u.a. Live-Training jeden Samstag 19.00 Uhr auf „Playchess.com“) auch auf dem Fritz-Server bekannt geworden ist. Bereits im Alter von drei Jahren erlernte er nach eigenen Angaben von seinem Vater das Schachspielen und durch seine Mutter die deutsche Sprache, was dazu führte, dass sich ab 2010 die Hamburger Firma ChessBase dazu entschloss, englischsprachige Lern- / Trainings-DVDs des Newcomers in der Schachlernszene schwerpunktmäßig zu vermarkten. Die bisher höchste ELO-Zahl des FIDE-Meisters lag 2008 bei 2443.
Eine erste DVD Lilovs zum Thema „The Queens Gambit Accepted“ (erschienen ebenfalls bei ChessBase) wurde vor einigen Tagen bereits von mir kommentiert. Dieses Mal treffen wir auf eine Form der Sizilianischen Eröffnung: die „Kan-Variante“, die im englischsprachigen Raum diese Bezeichnung erhalten hat. Im Deutschen ist sie sehr wohl unter dem Namen „Sizilianisch Paulsen-Variante“ bekannt. Der Aufbau beginnt mit 1. e2-e4 c7-c5, 2. Sg1-f3 e7-e6 3. d2-d4 c5xd4 4. Sf3xd4 a7-a6... und stellt eine der interessantesten und offensten Spielweisen dar, bzw. ermöglicht eine Vielzahl erfolgreicher Fortsetzungen sowohl für Schwarz als auch für Weiß. Sie ähnelt stark den Taimanov-, Sweschnikow-, Kalaschnikow-, Basman-Sale-Varianten, dem Sizilianischen Angriff oder der beschleunigten Drachenvariante – lediglich der vierte Zug des Schwarzen weicht von den genannten Eröffnungen ab.
Häufig wartet Schwarz ab, wie Weiß seine Figuren entwickelt, um anschließend entsprechend zu reagieren. In vielen Partien gehören 5. c2-c4, 5. Sb1-c3 oder 5. Lf1-d3 zum Repertoire des weißen Spielers. Charakteristisch kann die nachfolgende Entwicklung des schwarzen Läufers nach c5 oder b4 sein, von wo aus er das weiße Zentrum direkt oder indirekt angreift. Insgesamt betrachtet ermöglichen alle Varianten eher noch dem Spieler mit den schwarzen Steinen die erfolgversprechenderen Möglichkeiten der Partiegestaltung. Weiß muss Acht geben, nicht überrumpelt zu werden und im Partieverlauf das Zentrum zu verlieren.
Valeri Lilov zeigt uns dieses Mal 20 Partien aus den Jahren 1972-2004 (u. a. mit Anand, Fischer, Ivanchuk, Karpov, Morozevich, Spassky, Svidler...) in der von ChessBase-Videos bekannten Art und Weise mit einer Gesamtspielzeit von knapp 4,5 Stunden. Alle Partiebeispiele lassen sich mit dem beiliegenden ChessBase-Reader wie immer leicht darstellen und nachvollziehen. Auch mit anderer Software, wie z. B. der Vollversion von ChessBase oder aktuellem Fritz-Programm ist dies natürlich möglich.
Ich kann mich an dieser Stelle nur wiederholen (s. auch oben erwähnte Rezension): Der junge Bulgare ist sehr gut in der Lage, kompetent Strukturen des Spiels zu vermitteln, Analysen und Anleitungen derart überzeugend an seine Zuhörer weiterzugeben, dass sich diese ohne Verständnisprobleme auf seine Trainingssitzung einlassen können. Insofern überzeugt mich der Schachexperte mit seinen methodischen Fähigkeiten, wie es auch schon auf seiner Homepage von einem Teil seiner Trainingskundschaft preisgegeben wurde.
Systemanforderungen: Pentium-Prozessor mit 300 MHz, 64 MB RAM, Windows XP, Vista oder Windows 7 (was – wie immer wieder von mir erwähnt – bei dieser Hardwarevorgabe Probleme bereiten wird...), DVD-ROM-Laufwerk, Maus und Soundkarte.
Fazit: Eine weitere gute und lehrreich präsentierte Lehr-DVD zu einer der beliebtesten Schacheröffnungen (Sizilianisch). Kompliment an unseren Schachexperten, der trotz seines noch jungen Alters routiniert präzise Analysen und Erkenntnisse vorzustellen vermag.

Danke an ChessBase für das kostenlose Rezensionsexemplar.

Heinz-Willi Jansen
(stellvertr. Schulleiter an der Kath. Hauptschule Stadtmitte in Mönchengladbach)