Wiener Partie mit 3. f4 – Nigel Davies

Aus der PSM Redaktion, geschrieben von Heinz-Willi Jansen am 10.10.2011
 Auf Amazon.de kaufenaus der Reihe: fritztrainer eröffnung (englischsprachig)
ChessBase GmbH, Hamburg; ISBN 978-3-86681-260-4, Preis 27,90 Euro

Eine der ältesten Schacheröffnungen treffen wir auf dieser Schach-DVD des englischen Großmeisters Nigel Davies an: die Wiener Partie. Nachdem sie lange Zeit in der Versenkung verschwunden war und kaum von den berühmten Schachgrößen gespielt wurde, hat sie meines Erachtens in der Neuzeit eine kleine Renaissance erlebt. Zunehmend scheinen sich hier Spieler zu häufen, die der lange fehlenden Tiefenanalyse mit neuen Erkenntnissen abhelfen wollen. Von den heutigen Experten ragen u. a. Nakamura (ELO 2753), Ivanchuk (ELO 2765), Zviagintsev (ELO 2666) und Hector (ELO 2575) heraus, denen es gelungen zu sein scheint, der lange „toten“ Eröffnung ein neues, beängstigend aggressives Gesicht zu verleihen.
Davies zeigt uns in 30 Kapiteln mit rund 4 Stunden Videospielzeit neben den bekannten traditionellen Varianten mit beispielsweise 1. e4 e5 2. Sc3 Sf6 3. f4 d5 4. fxe5 Sxe4 oder 1. e4 e5 2. Sc3 Sc6 3. f4 exf4 4. Sf3 g5 5. h4 g4 6. Sg5 h6 7. Sxf7 selbstverständlich auch die frisch analysierten neueren Abspiele mit 1. e4 e5 2. Sc3 Sf6 3. f4 d5 4. exd5 sowie 1. e4 e5 2. Sc3 Sc6 3. f4 exf4 4. Sf3g5 5. d4 d6 6. d5 ...
Im Vordergrund seiner Erkenntnisse steht immer, dass der Weiße auf höherem Spielniveau mit der Wiener Partie immer eine gewisse Überraschung hervorruft, während sich auf Vereins- oder niedrigerem Niveau häufig ängstliche, eher passiv-abwartende Reaktionen ergeben. Das gilt es aus der weißen Sicht auszunutzen und im entstandenen Freiraum kreativ eigene Ideen zu etablieren. Natürlich setzt hier Nigel Davies wieder einmal voraus, dass die Spieler über das notwendige Entdeckungs- und Entwicklungspotential verfügen, was allerdings in der Realität nicht immer gegeben ist.
Sehr interessant in seinen ausgewählten Analysesituationen auf der DVD ist allerdings das Bemühen des GM, nachzuweisen, dass viele der typischen und oft gespielten Reaktionen / Fortsetzungen mehrheitlich schlecht sind, eben auch, weil die Erfahrungen im Umgang mit „Vienna“ mangeln.
Systemanforderungen: Pentium-Prozessor mit 300 MHz o. besser, 64 MB RAM, Windows XP, Vista oder Windows 7, DVD-ROM-Laufwerk, Maus und Soundkarte.
Fazit: Nigel Davies‘ Lehrwerk ist betrachtenswert, weil es ihm wieder gelungen ist, präzise Analysen für den Betrachter anschaulich aufzubereiten. Wer dieses Training konzentriert und aufmerksam durcharbeitet, kann für sich manchen Schatz heben. Sicher ist dem Schachfreund auf jeden Fall ein riesiger Überraschungsvorteil in den meisten Partien. Und nicht immer sitzt ein GM auf der anderen Seite des Brettes.
Danke an Chessbase für das kostenlose Rezensionsexemplar.

Heinz-Willi Jansen
(stellvertr. Schulleiter an der Kath. Hauptschule Stadtmitte in Mönchengladbach)