MEGA Database 2007

Aus der PSM Redaktion, geschrieben von Dr. Georg Mondwurf am 26.12.2006

Computer und Datenbanken gehören zusammen wie Butter und Brot. Bei der Hamburger Schachfirma ChessBase, deren Maschine Fritz 10 unlängst den Schachweltmeister Kramnik schlug, ist der Name ein ebensolches Programm. Übrigens: Vor ziemlich genau 20 Jahren veröffentlichte ChessBase die erste Schachdatenbank überhaupt, die seit 2004 in der Version 9.0 vorliegt.
Anders als in den achtziger Jahren hat der Kunde heute die Möglichkeit, ChessBase und inzwischen auch FRITZ mit unterschiedlichen Datenbanken zu füttern. Die größte und umfangreichste Anwendungen ist die MEGA DATABASE, die ebenso wie der kleine Bruder BIG im jährlichen Turnus von der Hamburger Firma herausgegeben wird.
Das Präfix MEGA ist bei 3,5 Millionen Datensätzen absolut angemessen. Dazu gibt es in der nun vorliegenden Jubiläumsausgabe 2007, die bis Mitte November '06 Schachpartien erfasst, im Unterschied zur BIG-Variante noch über 60.000 kommentierte Partien. Keine Frage, mit dieser Datenbank ist man wirklich "weltweit über alle Bereiche des Schachs informiert", wie die Packung verspricht. Als computerbegeisterter Schachlaie gefällt mir an der Allianz zwischen MEGA DATABASE und Chessbase 9.0 das wirklich flotte Arbeiten. Schon die Installation klappt zügig und reibungslos. Kein stundenlanges Warten. Auch die Abfragen dauern kaum länger als einen Wimpernschlag (Testrechner war ein Athlon 3800+).
Dass der Profi hier ein fantastisches Instrument hat, um Referenzen für jede auch nur erdenkliche Stellung zu finden, leuchtet ein und braucht hier nicht weiter ausgewälzt zu werden. Außerdem bürgt der Name dafür, dass das Datenmaterial sauber editiert und Spieler mit kyrillischer Schreibweise nicht in mehreren Varianten durch das Alphabet geistern. Aber an dieser MEGA Datenbank fasziniert eben nicht nur die Technik. Spiele sind immer auch Bestandteil der menschlichen Geschichte - so natürlich auch Schach. Edmund Bruns hat es übrigens in seiner lesenswerten Dissertation "Das Schachspiel als Phänomen der Kulturgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts" (Lit Verlag, Münster 2003) unternommen, diesem nachzuspüren: historisch unterschiedliche Spielstile analysiert, aber auch demonstriert, dass Nationalsozialismus und Kalter Krieg auch vor dem Schachbrett nicht Halt machten.
Die in der MEGA DATABASE gelisteten Schachspiele reichen zurück bis in das 16. Jahrhundert. Einmal abgesehen von dem spielerischen oder wissenschaftlichen Interesse, steckt nicht in einer aufgezeichneten Schachpartie auch konservierter Geist, der in der perfekt-beeindruckenden 3D-Umgebung der heutigen Schachprogramme wieder zum Leben erwacht? Die Prosaiker unter den Schachfreunden sollten den folgenden Absatz einfach überspringen: Eine vergangene Partie fixiert nach Empfinden des Rezensenten einen Augenblick - eine Stimmung, ein direkter und authentischer Blick durch ein Fenster in die Vergangenheit, den sonst nur Film und Foto ermöglichen. Die Romantik hat dafür den Ausdruck "Hauch vergangener Zeiten" geprägt.
Dem geneigten Leser sei beispielsweise empfohlen, einmal die 1942 in Moskau zwischen Grigory Ionovich Ravinsky und Vitaly Scherbakov gespielte Partie zu betrachten. Die Fotos und Bilder des Russen Alexander Rodtschenkos (1891–1956) lassen sich leicht im Internet finden und bilden dazu eine wunderbare Ergänzung. Und mehr noch: Eine "historische Synästhesie", die mitten hinein nach Stalins Moskau führt! Natürlich geht es in diesem Text "nur" um die Vorstellung einer neuen Schachdatenbank. Mit aller Schärfe sei jedoch darauf hingewiesen, dass es eben mehr ist als ein galaktisches Sammelsurium an Partien - es ist eben auch in hohem Maße komprimierter menschlicher Geist.

Fazit: Die Megadatabase 2007 hat mit 159€ (unverb. Preisempf.) ohne Frage ihren Preis. Schachenthusiasten und Profis, für die die Datenbank seit Jahren fraglos ein Muss ist, werden ohnehin auf die Möglichkeit eines Updates zurückgreifen (MEGA 2007 von Mega 2006 49,90€). Die kostengünstigere BIG Version dürfte für den Nostalgiker zwar hinreichend sein, der Verzicht auf die Partienkommentierung wiegt jedoch schwer.

Dr. Georg Mondwurf, Bremerhaven

Systemvoraussetzungen: Pentium PC, Win Me/XP, 64 MB RAM, DVD-ROM Laufwerk, Chessbase 9.0