„The Closed Sicilian“ – Nigel Davies

Aus der PSM Redaktion, geschrieben von Heinz-Willi Jansen am 19.05.2009
 Auf Amazon.de kaufenaus der Reihe: fritztrainer opening (englischsprachig)
Chess Base GmbH, Hamburg; ISBN 978-3-86681-120-1, Preis 26,99 Euro


Nigel Davies, der das Thema und die Partien dieser DVD kommentiert und analysiert, ist seit 1993 Großmeister, desweiteren war er 1987 britischer Schnellschachmeister und – noch länger zurückliegend (1979) – britischer U21-Juniorenmeister. 1989 spielte er bei der Europa-Mannschaftsmeisterschaft am Spitzenbrett für Wales und erzielte 5,5 Punkte aus 9 Partien. Er ist Schachtrainer und verfasste zahlreiche Schachbücher sowie Lehrvideos. Seine Elo-Zahl beträgt 2478, damit liegt er etwa auf dem 20. Rang der englischen Rangliste. Einige seiner bekannten Lehrvideos sind u. a.:

· The Pirc Defence (2007)
· 1…d6 universal (2007)
· The Accelerated Dragon (2007)
· e4 for the creative attacker (2007)
· King’s Indian Attack (2008)
· Chess for scoundrels (2008)
· London System (2008)
· The Colle System (2008)
· Torre Attack (2008)
· The Tarrasch Defence (2008)
· The English Opening (2008)
· The Scotch game (2009)

Im hier vorliegenden Lehrprogramm zeigt er uns eine Eröffnungsvariante, die er selber mit großer Vorliebe und recht erfolgreich während seiner bisherigen Schachkarriere gespielt hat. Zwar liegt eindeutig sein Schwerpunkt auf der Betrachtung der Partien aus der Sicht des Spielers mit den weißen Steinen, jedoch vermag er auch dem Schwarzen einige interessante und erfolgversprechende Hinweise im „geschlossenen Sizilianer“ zu vermitteln.
„The Closed Sicilian“ basiert auf folgenden Zügen: 1. e4 c5 2. Sc3 ... gefolgt von 3. g3.
Vassily Smyslov, Boris Spassky (beide waren ehemals Schachweltmeister) und auch die heutigen englischen Schachgroßmeister Michael Adams, sowie Nigel Short gelten als große Verfechter dieser Eröffnungsvariante und haben zahlreiche Erfolge mit dem Sizilianer gehabt, auch wenn er von den aktuellen Schachgrößen dieser Welt eher vernachlässigt wird.
Weiß versucht in dieser frühen Partiephase einen ruhigen Aufbau mit starken zentralen Kräften, verzögert Sf3 und vermeidet d4, um so anschließend mit gegebenenfalls f4, f5 Raum und ein positionelles Übergewicht am Königsflügel zu erhalten. Bei konsequentem Spiel wird sich somit eine gefährliche Attacke gegen den schwarzen König ergeben.
Das vorliegende ChessBase-Produkt ist so gestaltet, wie man es von den zahlreichen „fritztrainer opening“-Themen-DVDs kennt: Videosequenzen mit statischer, spartanischer Ansicht des präsentierenden Schachmeisters (dieses Mal mit einer Gesamtspielzeit von etwa 4,5 Stunden), die Möglichkeit, die ausgewählten Partien im ChessBase-Reader nachzuspielen (natürlich ist das auch in den bekannten Fritz-Programmen oder mit dem Datenbankprogramm ChessBase möglich) und intensiv den Analysen eines Großmeisters folgen zu können.
Bemerkenswert ist auch bei dieser DVD die Auswahl der Partien bekannter Schachgrößen, die als Analysequellen für Nigel Davies dienen: Spassky, Portisch, Karpov, Smyslov, Larsen, Adams und Geller sind die wohlklingenden Namen, die der Lehr- und Lernsoftware ihren Reiz verleihen. Insgesamt 19 Partien dieser Großmeister wurden in den Videosequenzen zugrunde gelegt und bieten somit reichliches Analysepotential.
Systemanforderungen: Pentium-Prozessor mit 300 MHz, 64 MB RAM, Windows XP oder Vista, DVD-ROM-Laufwerk, Maus und Soundkarte.
Fazit: Auch hier gilt für mich wie so oft, dass Spieler/-innen ihre eigene Entscheidung treffen müssen. Wer jede Eröffnungsvariante durchdringen will, muss eben auch diese DVD kaufen. In der Realität zeigt sich jedoch die Unmöglichkeit für die meisten von uns, soviel in sein Hobby investieren zu können. Das Produkt von Nigel Davies / ChessBase ist informativ und sicherlich brauchbar, aber ein absolutes „Must-Have“ ist die DVD nicht unbedingt. Testen, überlegen, nach eigener Veranlagung auswählen ist auch hier eine unabdingbare Notwendigkeit.
Wie immer danke an ChessBase für das kostenlose Rezensionsexemplar.

Heinz-Willi Jansen
(stellvertr. Schulleiter an der Kath. Hauptschule Stadtmitte in Mönchengladbach)