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Sekundaerliteratur
20. Jahrh. | Deutschland | Weimarer Republik
[P|S|M]
Bemerkungen zur Weltwirtschaftskrise von 1929
Bedingt durch den wirtschaftlichen Aufschwung nach dem Ersten Weltkrieg, hatte sich Ende der zwanziger Jahre besonders in den USA ein fast unerschütterlicher Prosperitätsglaube durchgesetzt. Noch einige Wochen vor dem Zusammenbruch der Börse in New York beurteilte das deutsche Institut für Konjunkturforschung die wirtschaftliche Lage fast aller Staaten günstig. Der Ausbruch der Krise, die, was ihre Intensität und Dauer angeht, alle vorausgegangenen Depressionen übertraf, führte zum Zweifel weiter, vor allem auch bürgerlicher Kreise am liberalen Wirtschaftssystem und begünstigte in Deutschland den Durchbruch einer bis dahin nur latent vorhandenen Staatskrise.

Der Börsenkrach von New York im Oktober 1929, der als Auftakt und nicht als Ursache der Weltwirtschaftskrise anzusehen ist, traf die Weltwirtschaft unvorbereitet. In den USA und anderen Ländern trat ein allgemeiner Rückgang ökonomischer Aktivitäten mit all den Kennzeichen, die für die Krisenerscheinungen in allen betroffenen Staaten charakteristisch waren, deutlich spürbar erst Ende 1930 ein.

Zu Krisenindikatoren gehörten:

- Rückgang der Produktion
- Rückgang der Investitionen
- Rückgang der Nachfrage
- Sinken der Preise
- Sinken der Einkommen
- Steigen der Arbeitslosigkeit

Hier sei angemerkt, dass die ökonomische Entwicklung der Sowjetunion zu dieser Zeit mit der in Staaten mit einer marktwirtschaftlichen Wirtschaftsordnung nicht verglichen werden kann. 

In Deutschland war die Aufschwungphase nach 1924 vor allem durch intensive Rationalisierung und starke Konzentration gekennzeichnet, was zu erheblichen Produktivitätszuwächsen geführt hatte. Dagegen stiegen die Reallöhne nur langsam und fielen ab 1930, wobei die Zahl der Arbeitslosen immer auf einem relativ hohen Stand geblieben war. 

Die wirtschaftliche Erholung Deutschlands war mit erheblichen privaten und öffentlichen Investitionen verbunden. Die dazu notwendigen Mittel konnten aufgrund der Zerstörung des privaten Kapitals durch die Nachkriegsinflation am Anfang der 1920er Jahre nur bedingt im Land selbst aufgebracht werden. Begünstigt durch das in Deutschland deutlich über dem internationalen Durchschnitt liegende Zinsniveau, strömten vor allem aus den USA Kredite in das Deutsche Reich. Ende 1930 betrug die Auslandsverschuldung Deutschlands ca. 25 Mrd. Mark, wovon fast 15 Mrd. kurzfristige Gelder waren. Diese kurzfristigen Gelder waren jedoch meist langfristig angelegt, also schnell nicht mobilisierbar. Das zweifellos unsolide Finanzgebäude, auf dem der Aufschwung der sogenannten "Goldenen Zwanziger" stand, musste bei der ersten größeren Belastung zusammenbrechen. Bis 1931 stellten die Reparationen für Deutschland einen weiteren, für die Wirtschaftsentwicklung erschwerenden Faktor dar. Besonders der Transfer der Zahlungen in Gold oder Devisen bereitete mehr noch als das Problem der Aufbringung der Gelder erhebliche Probleme.

Einsetzend nach den Septemberwahlen 1930 und sich bis zum Sommer 1931 zuspitzend, begann der Abzug ausländischer Kredite aus Deutschland, für die keine neuen Gelder mehr in das Land hineinflossen. Dies führte schließlich zum Zusammenbruch des Banksystems, nachdem bereits seit 1929/30 andere wichtige Konjunkturdaten für Deutschland auf eine krisenhafte Entwicklung hingedeutet hatten. Relative Überproduktion und eine gesamtwirtschaftliche Strukturkrise gehörten allgemein zu den wesentlichen Krisenursachen. Die Verschärfung der ökonomischen Schwierigkeiten in Deutschland nach 1929 bis hin zur allgemeinen Staatskrise hingegen ist nur unter gleichzeitiger Berücksichtigung der konkreten, politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zu verstehen. Für die Erklärung der Dauer und der Intensität der Krise darf der Einfluss der jeweiligen Wirtschaftspolitik der Regierungen - besonders der Deflations- und Parallelpolitik der Regierung Brüning - nicht übersehen, aber auch neben anderen gesellschaftlichen Krisenfaktoren nicht überschätzt werden.

Gleichwohl gilt, dass die Auswirkungen der Krise auf das soziale und politische Gefüge der Weimarer Republik von einschneidendem Einfluss waren.



Schmidt, G. und Kellner-Stoll, R., Bemerkungen zur Weltwirtschaftskrise, in: RUMS 39

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