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Pressemeldungen zum Umsturz in Bayern II (1923)
TU. München, 8.Nov. Der heutige Abend hat in München den Staatsumsturz gebracht. In einer ungeheuer überfüllten und um 7 Uhr polizeilich gesperrten Versammlung im Saale des Bürgerbräukellers hielt der bisherige Generalstaatskommissar v.Kahr die angekündigte große Rede. Ehe er sie aber noch zu Ende geführt hatte, wurde er plötzlich von dem im Saale anwesenden Führer der Nationalsozialisten, Hitler, unterbrochen. Ein Trupp drang in den Saal ein und gab eine Anzahl Schüsse gegen die Saaldecke ab. Es entstand eine ungeheure Erregung. Hitler brach sich durch die Menge Bahn und erklärte, die Regierung Knilling sei hiermit gestürzt und die nationale Diktatur ausgerufen. Heute vor fünf Jahren sei die Revolution angegangen, mit dem heutigen Tage aber sei sie beendigt worden. Das Kabinett Knilling sei abgesetzt.

Die Minister Knilling und Schweyer, die in der Versammlung anwesend waren, wurden trotz ihres Protestes sofort verhaftet und vorläufig eingesperrt. Außerdem wurden verschiedene andere prominente Persönlichkeiten verhaftet. Hitler teilte mit, dass die neue bayerische Regierung bereits gebildet sei. Landesverweser ist Dr.v.Kahr, Ministerpräsident Poehner. Eine deutsche nationale Regierung werde in München gegründet. Es werde sofort eine deutsche nationale Armee errichtet. Die Leitung der deutschen Politik übernehme er, Hitler, selbst.

General Ludendorff übernehme die Leitung der deutschen Armee. General von Lossow werde Reichswehrminister, Oberst von Seyffert werde Reichspolizeiminister. Hitler richtete an die Versammlung, in der zahlreiche Offiziere anwesend waren, die Anfrage, ob sie mit diesen Vorschlägen einverstanden sei, was mit einem tosenden Beifall bejaht wurde. Hierauf wurden die als Mitglieder der neuen Regierung vorgeschlagenen Persönlichkeiten in den Saal geführt. Sowohl v.Kahr, v.Ludendorff wie Poehner erklärten sich in kurzen Ansprachen zur Übernahme ihres Amtes bereit.

Hierauf hielt Hitler ein Schlußwort, in dem er erklärte, der Tag, den er so sehnlichst seit fünf Jahren erwartet habe, sei heute gekommen. Er wird Deutschland wieder zum Reich der Herrlichkeit machen.

Gegenwärtige, in der elften Abendstunde, ist der ganze Saal des Bürgerbräukellers stark besetzt und durch Militär abgesperrt. Es bewegt sich vom Löwenbräukeller aus ein gewaltiger Zug von Angehörigen der Kampfverbände mit Fahnen und Musik nach dem Bürgerbräukeller.




 

Quelle: Nordwestdeutsche Zeitung, 9. November 1923