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1. Sachanalyse:
Die Endphase des 1. Weltkrieges hatte folgende Merkmale:
- Einführung des parlamentarische Systems als Versuch, die Revolution
dadurch zu verhindern,
- Der Krieg war militärisch verloren,
- Kriegsmüdigkeit, katastrophale Versorgungsanlage und Meuterei in der
Flotte
Vor diesem Hintergrund sind die Richtungskämpfe innerhalb der
Arbeiterbewegung von fundamentaler Bedeutung :
a) Abspaltung der USPD. Im Zusammenhang mit den Kriegskredite wurde die
"Sozialdemokratische Arbeitsgemeinschaft" aus der SPD ausgeschlossen.
Man gründete 1917 eine eigenständige Partei und nannte sich Unabhängige
Sozialdemokraten (USPD). Die USPD trat für sofortigen Frieden ein, wandte sich
gegen die Burgfriedenspolitik und bekannte sich zum Sozialismus. Sie
beschränkte ihre Aktivität weitgehend auf den Parlamentarischen Kampf.
b) Endstehung der Spartakusgruppe. Die radikale Linke sammelte sich innerhalb
der USPD um K. Liebknecht und R. Luxemburg. Hauptprogrammpunkt ihrer Politik war
die Veränderung der Produktionsverhältnisse und gleichzeitiger Aufbau eines
Rätesystems. Man setzte dabei auf eine Revolution nach sowjetischem Vorbild.
c) MSPD. Die gemäßigte Linke verbleibt in der Mehrheits-SPD (MSPD).
Hauptvertreter waren Ebert, Scheidemann und Noske. Sie verfolgten eine
sozialreformerische Politik mit dem Ziel des Aufbau einer parlamentarischen-bürgerlichen
Demokratie.
Damit läuft der Streit um den Neubeginn im wesentlichen auf die folgenden
Alternativen hinaus:
| Parlamentarisch-bürgerliches System |
Rätesystem |
| Grundlage: |
Grundlage: |
| - Erhaltung der privatwirtschaftlichen Produktionsweise
unter Einführung von Mitbestimmungsrechten für die Arbeiter
(Zentralarbeitsgemeinschaft / Betriebsräte) |
- Sozialisierung der Wirtschaft |
| - Mehrparteiensystem : Wahl einer Nationalversammlung auf
Grundlage einer bürgerlich-demokratischen Verfassung |
- Rätesystem als basisdemokratisches Modell |
| - Soziale Reformen: 8-Stundentrag, Anerkennung von
Gewerkschaften, Tarifpartnerschaft, Betriebsräte |
- Selbstbestimmte Produktion, gesellschaftliche Planung der
Produktion in Industrie und Landwirtschaft, Enteignung des Großkapitals
und Großgrundbesitzes. |
2. Didaktische Analyse:
Die vorliegende Stunde verfolgt einen problemorientierten Ansatz , indem
Kernaussagen des reformerischen Modells (MSPD) und des rätedemokratischen
Modells (USPD , Spartakus Gruppe) verglichen werden . Damit die komplexe
historische Situation für die Schüler nachvollziehbar wird , muss sie den
Schülern an einem anschaulichen Ereignis (November - Demonstration) und einer
alltäglichen Situation (Gespräch Vater - Sohn) vergegenwärtig werden . Die
methodischen Mittel sind :
- Bildfolie
- Dialog zwischen einem MSPD - orientierten Zeitgenossen und einem an dem
Spartakus Bund orientierten Zeitgenossen . Die didaktische Übersetzung liegt in
der Überführung politischer Konzepte (Parlamentarismus und
Rätesytem) in die konkrete politische Praxis. Die Schüler sollen dann
umgekehrt aus den einzelnen anschaulichen politischen Beispielen allmählich zum
Verständnis dieser beiden politischen Grundkategorien (Begriffsbildung)
hingeführt werden .
Um die Schüler nicht zu überfordern , werden Hauptmerkmale der politischen
Systeme gegenübergestellt , ohne die parteipolitischen Gruppierungen MSPD ,
USPD und Spartakus im einzelnen zu benennen. Die Erarbeitung der Spaltung der
Arbeiterbewegung und die Erklärung des parlamentarischen und
rätedemokratischen Systems bleiben dem weiteren Verlauf der Unterrichtseinheit
vorbehalten.
Bei der Textarbeit muss vor allem Dingen darauf geachtet werden, die
Hauptinformation und Kernaussagen von Nebensächlichkeiten abzuheben.
3. Ziele der Stunde:
Die Schüler sollen,
- wesentliche gegensätzliche politische Vorstellungen bei der
gesellschaftlichen Neugestaltung am Ende des Ersten Weltkrieges benennen
können,
- das historische Ereignis des Matrosenaufstandes und der November-Revolution
in Deutschland beschreiben können,
- Hauptinformationen und Kernaussagen aus dem gegebenen Dialog herausarbeiten
können.
4. Verlaufsplanung:
| Lernphase |
Lernorganisation |
Didaktischer Kommentar |
| Einstieg |
Projektion der Bildfolie
"November-Demonstration" |
Abbildung einer Novemberdemonstration
(Ereignisgeschichtlicher Aspekt) |
| |
Schüleräußerungen zur Folie unter Einbeziehung des Films
"Erster Weltkrieg" |
Aktivierung des Vorwissens der Schüler |
| Erarbeitung I |
Ergänzung der Folie durch Denkblasen,
die sich auf kontroverse politische Denkrichtungen von Zeitgenossen
beziehen |
Unterscheidung politischer Standpunkte
(Strukturgeschichtlicher Aspekt) |
| |
- Schüler vergleichen die Aussagen der Denkblasen |
|
| |
- Schüler ordnen die Denkblasen nach politischen Positionen |
|
Erarbeitung eines Tafelbildes
| gemäßigte Forderungen |
radikale Forderungen |
Für den 8-Stundentag ! Aber keine Enteignung der
Fabrikherren! Frieden, Frieden! Aber vergreift euch nicht an den
militärischen Führern usw. |
Acht Stunden Arbeit ... und die Arbeiter übernehmen die
Fabriken! Frieden, Frieden! ... und verjagt die alten Kriegstreiber usw. |
| Lernphase |
Lernorganisation |
Didaktischer Kommentar |
| Erarbeitung II - mdl. |
Eingabe eines Dialogs |
Erfassen von Kernaussagen und Hauptinformationen |
| |
- Lautes Lesen mit verteilten Rollen - Begriffsbildung -
Ergänzung des Tafelbildes durch Stichpunkte, die aus dem Text
herausgearbeitet worden sind |
|
| Erarbeitung II -
schriftl. |
Stillarbeit / Einzelarbeit |
|
| Auswertung |
Vorlesen der Schülerergebnisse |
Anbahnung politischer Urteilsfähigkeit |
| Bewertung |
Erörterung |
|
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