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Unterrichtsmaterialien
20. Jahrh. | Deutschland | Weimarer Republik

[P|S|M]

RUMS 47: Novemberrevolution 1918 - der Streit um den Neubeginn
1. Sachanalyse:

Die Endphase des 1. Weltkrieges hatte folgende Merkmale:

- Einführung des parlamentarische Systems als Versuch, die Revolution dadurch zu verhindern,

- Der Krieg war militärisch verloren,

- Kriegsmüdigkeit, katastrophale Versorgungsanlage und Meuterei in der Flotte

Vor diesem Hintergrund sind die Richtungskämpfe innerhalb der Arbeiterbewegung von fundamentaler Bedeutung :

a) Abspaltung der USPD. Im Zusammenhang mit den Kriegskredite wurde die "Sozialdemokratische Arbeitsgemeinschaft" aus der SPD ausgeschlossen. Man gründete 1917 eine eigenständige Partei und nannte sich Unabhängige Sozialdemokraten (USPD). Die USPD trat für sofortigen Frieden ein, wandte sich gegen die Burgfriedenspolitik und bekannte sich zum Sozialismus. Sie beschränkte ihre Aktivität weitgehend auf den Parlamentarischen Kampf.

b) Endstehung der Spartakusgruppe. Die radikale Linke sammelte sich innerhalb der USPD um K. Liebknecht und R. Luxemburg. Hauptprogrammpunkt ihrer Politik war die Veränderung der Produktionsverhältnisse und gleichzeitiger Aufbau eines Rätesystems. Man setzte dabei auf eine Revolution nach sowjetischem Vorbild.

c) MSPD. Die gemäßigte Linke verbleibt in der Mehrheits-SPD (MSPD). Hauptvertreter waren Ebert, Scheidemann und Noske. Sie verfolgten eine sozialreformerische Politik mit dem Ziel des Aufbau einer parlamentarischen-bürgerlichen Demokratie.

Damit läuft der Streit um den Neubeginn im wesentlichen auf die folgenden Alternativen hinaus:

Parlamentarisch-bürgerliches System Rätesystem
Grundlage: Grundlage:
- Erhaltung der privatwirtschaftlichen Produktionsweise unter Einführung von Mitbestimmungsrechten für die Arbeiter (Zentralarbeitsgemeinschaft / Betriebsräte) - Sozialisierung der Wirtschaft
- Mehrparteiensystem : Wahl einer Nationalversammlung auf Grundlage einer bürgerlich-demokratischen Verfassung - Rätesystem als basisdemokratisches Modell
- Soziale Reformen: 8-Stundentrag, Anerkennung von Gewerkschaften, Tarifpartnerschaft, Betriebsräte - Selbstbestimmte Produktion, gesellschaftliche Planung der Produktion in Industrie und Landwirtschaft, Enteignung des Großkapitals und Großgrundbesitzes.

2.  Didaktische Analyse:

Die vorliegende Stunde verfolgt einen problemorientierten Ansatz , indem Kernaussagen des reformerischen Modells (MSPD) und des rätedemokratischen Modells (USPD , Spartakus Gruppe) verglichen werden . Damit die komplexe historische Situation für die Schüler nachvollziehbar wird , muss sie den Schülern an einem anschaulichen Ereignis (November - Demonstration) und einer alltäglichen Situation (Gespräch Vater - Sohn) vergegenwärtig werden . Die methodischen Mittel sind :

- Bildfolie

- Dialog zwischen einem MSPD - orientierten Zeitgenossen und einem an dem Spartakus Bund orientierten Zeitgenossen . Die didaktische Übersetzung liegt in der Überführung   politischer Konzepte (Parlamentarismus und Rätesytem) in die konkrete politische Praxis. Die Schüler sollen dann umgekehrt aus den einzelnen anschaulichen politischen Beispielen allmählich zum Verständnis dieser beiden politischen Grundkategorien (Begriffsbildung) hingeführt werden .

Um die Schüler nicht zu überfordern , werden Hauptmerkmale der politischen Systeme gegenübergestellt , ohne die parteipolitischen Gruppierungen MSPD , USPD und Spartakus im einzelnen zu benennen. Die Erarbeitung der Spaltung der Arbeiterbewegung und die Erklärung des parlamentarischen und rätedemokratischen Systems bleiben dem weiteren Verlauf der Unterrichtseinheit vorbehalten.

Bei der Textarbeit muss vor allem Dingen darauf geachtet werden, die Hauptinformation und Kernaussagen von Nebensächlichkeiten abzuheben.

3. Ziele der Stunde:

Die Schüler sollen,

- wesentliche gegensätzliche politische Vorstellungen bei der gesellschaftlichen Neugestaltung am Ende des Ersten Weltkrieges benennen können,

- das historische Ereignis des Matrosenaufstandes und der November-Revolution in Deutschland beschreiben können,

- Hauptinformationen und Kernaussagen aus dem gegebenen Dialog herausarbeiten können.

4. Verlaufsplanung:

Lernphase Lernorganisation Didaktischer Kommentar
Einstieg Projektion der Bildfolie "November-Demonstration" Abbildung einer Novemberdemonstration (Ereignisgeschichtlicher Aspekt)
  Schüleräußerungen zur Folie unter Einbeziehung des Films "Erster Weltkrieg" Aktivierung des Vorwissens der Schüler
Erarbeitung I Ergänzung der Folie durch Denkblasen, die sich auf kontroverse politische Denkrichtungen von Zeitgenossen beziehen Unterscheidung politischer Standpunkte (Strukturgeschichtlicher Aspekt)
  - Schüler vergleichen die Aussagen der Denkblasen  
  - Schüler ordnen die Denkblasen nach politischen Positionen  

Erarbeitung eines Tafelbildes

gemäßigte Forderungen radikale Forderungen
Für den 8-Stundentag !
Aber keine Enteignung der Fabrikherren!
Frieden, Frieden!
Aber vergreift euch nicht an den militärischen Führern
usw.
Acht Stunden Arbeit
... und die Arbeiter übernehmen die Fabriken!
Frieden, Frieden!
... und verjagt die alten Kriegstreiber
usw.

 

Lernphase Lernorganisation Didaktischer Kommentar
Erarbeitung II - mdl. Eingabe eines Dialogs Erfassen von Kernaussagen und Hauptinformationen
  - Lautes Lesen mit verteilten Rollen
- Begriffsbildung
- Ergänzung des Tafelbildes durch Stichpunkte, die aus dem Text herausgearbeitet worden sind
 
Erarbeitung II - schriftl. Stillarbeit / Einzelarbeit  
Auswertung Vorlesen der Schülerergebnisse Anbahnung politischer Urteilsfähigkeit
Bewertung Erörterung  




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