Georg Büchner  DANTONS TOD

 

Dantons Tod

Veröffentlicht zuerst von Büchners Förderer Karl Gutzkow im Literaturblatt "Phönix", März/April 1835, in einer sprachlich gemilderten, zensur-freundlichen Fassung. Dann als selbstständige Buchausgabe verlegt im Juli 1835 mit dem Untertitel: "Dramatische Bilder aus Frankreichs Schreckensherrschaft". Hierzu Georg Büchner in einem Brief an die Familie: „Der Titel ist abgeschmackt." (28. Juli 1835)

Vorüberlegungen zur Danton-Lektüre in der Schule:

„Dantons Tod“ ist ein hartes Stück Arbeit und ein schwerer Brocken. Das war es auch schon zu seiner Zeit.

I.
Büchner schrieb es unter großem - innerem und äußerem - Druck (vgl. Brief an die Braut, Jan. 1834), die erste Veröffentlichung unter Karl Gutzkow kam nicht ohne gravierende Eingriffe in Sprache und Handlung aus (vgl. Brief an die Familie, 28. Juli 1835), die erste Aufführung ließ Jahrzehnte auf sich warten (1902 in Berlin).

Der Verfasser war ein noch sehr junger Mann, er hatte mit dem „Hessischen Landboten“ eine gescheiterte Flugblattaktion hinter sich und musste befürchten, verhaftet zu werden, so wie es einigen seiner Gefährten erging. In dieser Lage packte der 22-Jährige viel, sehr viel in das Drama hinein: seine intensive Lektüre der historischen Quellen, seine persönliche Verzweiflung über die gesellschaftlichen Verhältnisse in Frankreich und in Deutschland, seine literarischen Ambitionen, sein anti-idealistisches ästhetisches Konzept ... Dies erklärt die Dichte des Texte, seine Sentenzhaftigkeit, die jedem Satz, jedem Dialog, jeder Szene eine besondere Intensität und Schwere gibt. Man könnte auch sagen, er hatte sich zu viel vorgenommen und zu wenig an die Aufnahmefähigkeit oder -bereitschaft seiner Zeitgenossen gedacht.

Und heute ist der „Danton“ nicht nur ein bewährter Theater-Erfolg, sondern auch fast ein Schulklassiker geworden! Zu Zeiten, als es noch den Leistungskurs Deutsch gab, das war in Baden-Württemberg bis 2004, konnte man sich dem Drama aus Interesse und mit Hingabe widmen, jetzt ist es eine Abiturspflicht und die Abiturienten sind jünger als zuvor (G8). Das ändert die Vorzeichen der unterrichtlichen Behandlung ‘ziemlich‘.

II.
Was könnte das Erkenntnisziel dabei sein?

  • Das erste muss darin bestehen, den Wissenshorizont im Hinblick auf die historischen Ereignisse sowohl 1794 als auch 1835 herzustellen.
  • Zweitens soll es um das gehen, was Büchner so intensiv beschäftigt hat: die Frage nach der Sinnhaftigkeit, nach den Gefahren und den Notwendigkeiten gesellschaftsverändernden Handelns.
  • Drittens muss an der Figur Dantons die Berechtigung von Determinismus und Nihilismus kritisch überprüft werden.
  • Und schließlich die Darstellung des Volkes in Zeiten der Not: In Büchners Drama ist das Volk nicht mehr Beiwerk in Gestalt von Dienerschaft und Tölpeln, sondern eine politische Kraft, über deren Macht und Ohnmacht im Stück selbst reflektiert wird: menschenfressender Minotaurus, arglos spielendes Kind, Hort der Tugend, manipulierbare Masse?

Das sind Themen, die letzten Ende in die Frage nach dem Menschen und seiner Rolle in der Geschichte münden: Was hält ihn noch davon ab, sich gegenseitig umzubringen? Wie kann / muss gesellschaftliche Veränderung vonstatten gehen?

Wie am Anfang gesagt: Der „Danton“ ist ein schwerer Brocken und wie weit man ihn sich zurechtzulegen vermag, hängt auch vom Zufall und der Zusammensetzung des Kurses ab.

III.
Meine Konsequenzen:
Um den Wissenshorizont weitestmöglich zu öffnen, arbeite ich mit einer Ausgabe, die reich an Erläuterungen ist.
Der Leser darf des Weiteren nicht allein gelassen werden sowohl mit dem Text als auch mit den Erläuterungen. Darum erarbeiten wir gemeinsam Akt für Akt, Szene für Szene und erstellen eine Synopse. Diese soll den Dramentext mit seiner Vielzahl von Handlungsorten, Personen und Themen überschaubar machen.
Es macht also aus meiner Sicht Sinn, in der Texterarbeitungsphase einen eng geführten Unterricht zu halten und die Schüler nicht mit der selbstständigen Lektüre zu verunsichern. Am Ende müssten diese Ergebnisse (sei es von Gruppen oder von Partnern) doch mühsam nachbearbeitet werden, das kann für Lehrkraft und Schüler ätzend sein.

Ins Offene gelangt man erst nach gesicherter Lektüre und gefestigtem Wissenshorizont. Jetzt können folgende Projekte arbeitsteilig in Angriff genommen werden:

  • Die Figur des Danton und seine verschiedenen Facetten: literarische Charakteristik.
  • Die Darstellung des Volkes und seine Rolle in den revolutionären Ereignissen.
  • Die Frauengestalten (Gattinnen, Grisetten und Weiber) im Drama und deren Bedeutung für die Revolutionäre.
  • Büchners dramaturgische Gestaltung der Handlung: Warum nur vier Akte? Die Symbolik der Handlungsorte?
  • Die Exkurse über den Staat (I,1), über die Kunst (II,3) und Gott (III,1)?
  • Die Sprache der „dramatis personae“ zwischen Brutalität, Obszönität und Bildhaftigkeit.

IV.
Ba-Wü-Spezial: Der Werkvergleich
Der „Danton“ ist ein unvergleichliches Werk, dennoch ist es zum Bestandteil des Werkvergleiches geworden, einer Abitur- und Ba-Wü-spezifischen Aufgabenstellung, in der gemeinsame Bezüge zwischen den drei Pflichtlektüren „Agnes“ von Peter Stamm, „Homo faber“ von Max Frisch und eben Büchners „Danton“ darzustellen und zu bewerten sind.
Werkübergreifende Bezugsaspekte können sein:

  • Das Selbstverständnis und die Identitätssuche der Protagonisten
  • Die Beziehung zu den Mitmenschen, insbesondere zu den Geliebten
  • Das Verständnis der eigenen Rolle in den zwischenmenschlichen Beziehungen
  • Die Frage des Umgangs mit der eigenen Schuld an den ‘fatalen‘ Ereignissen
  • Die Wahrnehmung von Wirklichkeit durch die männlichen Protagonisten
  • Die Bedeutung der Frau(en) für das Selbstverständnis der männlichen Protagonisten
  • Die Suche der weiblichen Protagonisten nach Glück und Liebe
  • Das Verhältnis von Zufall und Notwendigkeit, von Schicksal und eigenem Willen.

V. Materialien:


(cc) Klaus Dautel, 2001-13

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