Georg Büchner  Dantons Tod

Büchners Danton - ein Psychogramm

Finde (weitere) Belegstellen:
Akt I
  • Danton, der Genießer und Lasterhafte (Salon und Bordell)
  • der Revoutionär, der der Revolution müde ist
  • der tote Heilige”, die Revolutionsreliquie
  • der Epikureer: Jeder handelt seiner Natur gemäß, d.h. er tut, was ihm wohltut”. (I,6)
Akt II
  • Danton, der Resignierte, Gelangweilte: Nutzlosigkeit der Existenz (II,1)
  • der Arglose: Sie werden’s nicht wagen.” (II,4)
  • der Fatalist: Puppen sind wir ...”(II,5)
Akt III
  • Danton, der Überraschte: "ich dachte nicht, daß sie es wagen würden" (III,1)
  • der Nihilist und Atheist, das Leben ist ein Sterben: "Wir kratzen 50 Jahre lang am Sargdeckel." (III,7).
  • der Volkstribun und Redner vor dem Revolutonstribunal (III,4,8)
Akt IV
  • Danton, der Zyniker: ”Die Welt ist ein Chaos. Das Nichts ist der zu gebärende Weltgott.”(IV,3)

Gibt es in dieser Figur, in diesem Drama eine Entwicklung, eine Peripetie?
    Alle Eigenschaften, Attribute der Person sind von Anfang an vorhanden und handlungsbestimmend; lediglich einzelne Charaktereigenschaften und Stimmngen treten zu bestimmten Situationen deutlicher hervor als andere, Danton bleibt sich gleich.

Warum gestaltet Büchner seinen Protagonisten so statisch, entwicklungslos, fatalistisch?

    "Der Gegensatz dieser geschichtlichen Persönlichkeit zu Büchners Danton-Gestalt ist evident. Georges Danton in seiner geschichtlichen Rolle verkannte den Ablauf des geschichtlichen Prozesses, in dem er stand; das vereinsamte ihn - nicht durch Erkenntnis, sondern durch verfehlte politische Anschauungen. Büchners Danton vereinsamt, wird unlustug, der Aktion überdrüssig, gerade dank vertiefter, durchdringender Einsicht in den objektiven Sinn des Vorganges, in dem mitzuspielen er gezwungen ist (...) der geschichtliche Danton steht in der Aktion und scheitert, da er die Weiterführung der revolutionären Bewegung zu hemmen sucht, die objektiv notwendig und unvermeidbar ist, deren Notwendigkeit und Unvermeidbarkeit Robespierre und St.Just klar erkennen. Er würde damit den Thermidor herbeiführen, den Robespierre und St.Just vermeiden wollen, dem aber ihr Sturz gerade erst den Namen verIeihen soll. Büchners Danton dagegen sieht die Gefahr, mehr: die Unvermeidlichkeit des Thermidor. Er sieht nicht allein sich selbst, sondern auch Robespierre und St.Just scheitern. Er ist ihnen, den blind in der Aktion Befangenen, an Einsicht überlegen. Büchners Danton urteilt und handelt aus der Perspektiv des Thermidor; die späte Erkenntnis des nachgeborenen Dich ters, dem der Ablauf der Französischen Revolution als Ganze vor Augen steht, gibt die Erklärung ab für Inaktion und Todesbereitwilligkeit seines Danton. Die geschichtliche Gestalt des Tribunen von Paris wird dadurch verfälscht und verhüllt; um so klarer und eindringlicher aber wird sichtbar, was der scheiternde Revolutionär Büchner, vereinsamt nicht nur durch Erkenntnis jener Revolution, in der sein Danton steht, sondern jener deutschen Erhebung, der er sich selbst zum Opfer gebracht hatte, mit dem Danton-Stoff für sich aussprechen und gestalten wollte "

    Quelle: Hans Mayer, Georg Büchner und seine Zeit, Frankfurt 1972 (1959) S.214/5


© Klaus Dautel, 2001

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Ohne ein bisschen Werbung geht es nicht. Ich bitte um Nachsicht, falls diese nicht immer ganz Themen-gerecht sein sollte.
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