Hermann Hesse: „Unterm Rad“

Anmerkungen

      Was ist ein Philister?

"... ein Mensch ohne geistige Bedürfnisse (...) Kein Drang nach Erkenntnis und Einsicht, um ihrer selbst willen, belebt sein Dasein, auch keiner nach eigentlich asthetischen Genüssen ... Wirkliche Genusse sind für ihn allein die sinnlichen: durch diese hält er sich schadlos. Demnach sind Austern und Champagner der Höhepunkt seines Daseins, und sich alles, was zum leiblichen Wohlsein beiträgt, zu verschaffen, ist der Zweck seines Lebens ... Und doch reicht dies alles gegen die Langeweile nicht aus ... Daher ist dem Philister ein dumpfer, trockener Ernst ... charakteristisch. Nichts freut ihn, nichts erregt ihn, nichts gewinnt ihm Anteil ab ...
Zweitens folgt, in Hinsicht auf andere, dass, da er keine geistige, sondern nur physische Bedürfnisse hat, er den suchen wird, der diese ... zu befriedigen imstande ist. (Geistige Anforderungen werden) wenn sie ihm aufstoßen, seinen Widerwillen, ja, seinen Hass erregen; weil er dabei nur ein lästiges Gefühl von Inferiorität und dazu einen dumpfen, heimlichen Neid verspürt ..."
(Arthur Schopenhauer: Aphorismen zur Lebensweisheit 1851 S.43-45)


Das Landexamen

"...aus der Geschichte der höheren Bildung in Württemberg ... Hier herrschten bis zum Ende des 18.Jahrhunderts im Grunde noch die Verhältnisse, die Herzog Christoph im Zuge der Durchführung der Reformation 1559 mit seiner "Großen Kirchenordnung" geschaffen hatte. Über ungefähr 50 im Lande verteilten städtischen Lateinschulen erhoben sich 13 Klosterschulen sowie die Pädagogien in Tübingen und Stuttgart (hier als Vorgänger des Gymnasiums). Die Klosterschulen bereiteten ihre Absolventen auf das Studium der Theologie in Tübingen vor, die Pädagogien sollten auch den Weg in die anderen Fakultäten öffnen. Dieses System zielte als Teil einer Kirchenordnung mit dem Konsistorium an der Spitze seinem Ursprung nach darauf ab, die Reformation dauerhaft zu verankern und dafür Begabungsreserven aus dem ganzen Lande und aus allen Ständen zu erschließen.
Tatsächlich aber wurde die gelehrte Bildung zu einer Angelegenheit der "Ehrbarkeit", jenes Kreises städtischer Familien, die höhere Beamte und Geistliche hervorbrachten. Die entscheidende Hürde stellte auf diesem Bildungsweg das Landexamen dar, die berüchtigte Konkursprüfung, die den Zugang zu den Klosterschulen, später Seminarien (z.B. Maulbronn) regulierte. Wie sehr das Landexamen bzw. die Zulassung zu ihm zu einem sozialen Filter geworden war, zeigt folgende Bemerkung in einem Reskript von 1811: "... so wie die Söhne der Handwerker und Bauern überhaupt nicht studiren sollen, so kann bei denselben auch die Aufnahme in die zur Bildung evangelischer Geistlicher bestimmten Seminarien nicht stattfinden".
Die gelehrte Bildung durch alte Sprachen, die im 16.Jahrhundert ihren reformatorischen Sinn gehabt hatte, diente nunmehr der Abschließung einer kirchlichen und nach Ausweitung der Staatstätigkeit auch bürokratischen Elite, die hohes Interesse daran hatte, den alt- und später neuhumanistischen Bildungsgang rein zu erhalten. Die Tendenz kann mühelos noch durch das ganze 19.Jahrhundert verfolgt werden: Bei der Debatte 1881 in der Abgeordnetenkammer des Landtags über die Finanzierung eines zweiten Gymnasiums in Stuttgart - 1885 öffnete es als Karlsgymnasium - wurde z.B. dessen Notwendigkeit nicht mit dem beachtlichen Wachstum Stuttgarts begründet, sondern mit der "Zentralisierung der Verwaltung" in der Residenz, die zu erhöhter "Frequenz" des Gymnasiums geführt habe, und daher sei "der Staat für die Ausbildung der Söhne dieser Beamten zu sorgen" verpflichtet."

Quelle: Die Geschichte des Friedrich-Eugen-Gymnasiums (Stuttgart), von Dr. Abelein,
im Internet unter: www.feg.s.bw.schule.de/VonDrWAbelein.htm (365 kb)


Kloster und Seminar Maulbronn - heute

Kloster Maulbronn - 850 Jahre
Wolfgang M. Werner stellt auf seiner privaten Web-Seite das Kloster Maulbronn vor - mit Informationen über und Luftbildern von der Kosteranlage, es gibt die Möglichkeit den Plan des Klosters online zu erforschen usw. Hier ein paar Informationen von der Startseite:

"Maulbronn, die fast 850 Jahre alte ehemalige Zisterzienserabtei, gilt als die am vollständigsten erhaltene und damit eindrucksvollste Klosteranlage des Mittelalters nördlich der Alpen. In der Abgeschiedenheit des Salzachtals haben im Jahre 1147 zwölf Mönche aus dem Elsaß mit dem Bau des Klosters begonnen und dieAnlage nach den Bauregeln und Merkmalen der in Burgund bereits bestehenden Zisterzienseranlagen errichtet. 390 Jahre haben die Mönche in Maulbronn gelebt, gebaut, gebetet und gearbeitet und dadurch die gesamte Kulturlandschaft in der dem Zisterzienser-Orden typischen Weise geprägt.

Nach der Reformation und der Auflassung des Kloster, wurde Maulbronn Sitz der Herzöge von Württemberg. 1556 ließ Herzog Christoph von Württemberg eine Evangelische Klosterschule einrichten, die 1807 in ein evangelisch-theologisches Seminar umgewandelt wurde und heute noch besteht."

Das evangelisch-theologische Seminar Maulbronn


Klaus Dautel, 2001


Ohne ein bisschen Werbung geht es nicht. Ich bitte um Nachsicht, falls diese nicht immer ganz Themen-gerecht sein sollte.
Dautels ZUM-Materialien: Google-Fuss