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Sallust

Autoren: Christina Koch / Mira Jansen / Stephanie Wintersohl


GAIUS SALLUSTIUS CRISPUS
 

 

 

Lebenslauf

Sallust heißt mit ganzem Namen Gaius Sallustius Crispus und wurde 86 v. Chr. in Amiternum  im Sabinerland als Sohn einer angesehen Familie geboren .

Als Jugendlicher kam er nach Rom. Er interessierte sich sehr für Politik, machte eine Ausbildung zum Rhetor und informierte sich auf dem Forum über politische Anschauungen. Im  Alter von 20 Jahren  zählte er zu den Anhängern des Catilina.
So erlebte er viele politische Ereignisse mit, wie z.B. den Aufstieg von Pompeius und Caesar, den hoffnungslosen Kampf der Optimaten und die wieder zunehmende Brutalisierung der innenpolitischen Konflikte.
Als er 32 Jahre alt war, gehörte er zu den Anhängern des Machthabers Caesar. Nun wurde Sallust Quästor und trat in den Senat ein, wo er durch eine gehässige Schmähschrift gegen Cicero viel Unruhe verursachte.
Zwei Jahre später (52 v. Chr.) wurde er Volkstribun. Wieder bereitete er viel Ärger, dieses Mal durch eine Stellungnahme für Caesar und damit gegen die  Nobilität, also gegen den Amtsadel im alten Rom. Die Parteinahme für Caesar war der Grund dafür, dass Sallust im Sommer des Jahres 50 v. Chr. von Zensor Appius Claudius unter dem Vorwand einer früheren Ehebruchsaffäre aus dem Senat und damit aus seiner politischen Laufbahn gestoßen wurde.
48 v. Chr. wurde er - ebenfalls durch Caesars Hilfe - zum zweiten Mal Quästor und konnte so dem Senat wieder beitreten.
46 v. Chr. ging er als Prätor mit Caesar nach Afrika. Dort trug er durch eine Unternehmung gegen die Insel Cercina zu Caesars Sieg bei. Daraufhin wurde Sallust Statthalter der neuen Provinz Afrika. Als er wegen der Art seiner Provinzverwaltung angeklagt wurde, ließ Caesar ihn freisprechen.
Das Amt des Stadthalters brachte Sallust soviel ein, dass er in Rom die berühmten horti Sallustiani , die sallustischen Gärten anlegte, die noch lange Zeit zu besichtigen waren und zum Inbegriff  unrechtmäßig erworbenen Reichtums wurden.
Nach Caesars Ermordung im Jahr 44 v. Chr. zog sich Sallust aus der Politik zurück. Das war außergewöhnlich früh für einen Politiker wie ihn. Im Vorwort zu seinem Werk Bellum Iugurthinum erklärt er seine Entscheidung damit, dass er „ trotz guter persönlicher Aussichten aus Ekel über die Entartung Roms und seiner Führungsschicht der Politik den Rücken gekehrt habe (Zitat)“. 
Nun wandte er sich dem  Studium der Geschichte und der Geschichtsschreibung zu. 
Im Jahr 34 v. Chr. ist er in Rom gestorben, er wurde 52 Jahre alt.


Sallusts Tätigkeit als Historiker
 

Sich von der Politik abzuwenden ist Sallust bestimmt nicht leicht gefallen. Denn an sich gehörte er zu jenen Römern, die nur in der Tätigkeit für den Staat eine lebensfüllende Aufgabe sahen. Dabei ist er sich sicher, dass er unter den gegebenen Umständen dem Staat mehr Vorteile durch seine Geschichtsschreibung als durch seine politische Tätigkeit bringen konnte. Nun ist es Sallust von großem Nutzen, dass er selber an den politischen Geschehnissen teilgenommen hat. Außerdem merkt man sehr schnell, dass er sich ausführlich mit griechischen und älteren römischen Historikern sowie philosophischen Schriften befasst hat.

Vor Beginn des Bürgerkrieges und nach dem Sieg, also 50 und 46 v. Chr. hatte Sallust zwei Briefe an Caesar geschrieben. In diesen hatte er versucht, die römische Innenpolitik zu analysieren und stellte Möglichkeiten zur Verbesserung der politischen, sozialen, wirtschaftlichen und moralischen Lage vor. Nach seinem Rückzug aus der Politik, führte er diese Gedanken fort.
Sein Erstlingswerk ist de coniuratione Catilinae (die Verschwörung des Catilina), dann schrieb er über den Krieg mit Jugurtha ( Bellum Jugurthinum )und als letzes schrieb er die Historien, ein umfassendes Geschichtswerk  über die Jahre 78 bis 67 v. Chr..


Sallust schildert in seinen Werken jedoch nicht die Höhepunkte historischer Abläufe, sondern die diesen vorausgehenden und sie damit praktisch ankündigenden Ereignisse. Zum Beispiel folgt der Verschwörung Catilinas der Aufstieg Caesars, der wiederum zum Bürgerkrieg führt.
Diese Fähigkeit, weit zurück in die Vergangenheit, auf die letzte Ursache  zurückzugreifen und so die Geschichte in einem Gesamtverlauf zu sehen, ist etwas völlig neues in der römischen Geschichtsschreibung. Vorher wurde  entweder die Geschichte der Stadt von ihren Anhängern oder einer besonders glanzvolle Epoche dargestellt. Durch diese Fähigkeit der politischen Analyse ist Sallust bis heute bekannt.

Die quellenkritischen Geschichtswissenschaftler des 19. und 20. Jahrhunderts stellten Sallusts historische Fehler fest.
Dieter Krug schrieb dazu: “die zeitlichen Verschiebungen - es handelt sich in der Hauptsache um zwei - erklären sich alle daraus, dass Sallust künstlerisch frei schaltet und aufbaut, um das, was er als die tiefere Wahrheit des Handelns ansieht, schärfer herauszuarbeiten.“
Sallust fälscht die Zusammenhänge also nicht, wie zuerst vermutet, aus Parteiinteresse, sondern weil es ihm viel mehr um die tiefere Wahrheit als um den richtigen, zeitlich-kausalen Zusammenhang geht. Er ist und bleibt also, wie Augustinus sagte, ein nobilitatae  veritatis historicus, ein Historiker  von rühmenswerter Wahrhaftigkeit.


Lebenslauf:

86 v. Chr.   in Amilternum, Sabinerland geboren,Ausbildung zum Rhetor
66 v. Chr.   Anhänger des Catilina
54 v. Chr.   Anhänger des Caesar wird Quästor (hoher Finanz- und Archivbeamter) und tritt in den
                  Senat ein                                      
52 v. Chr.   wird Volkstribun
50 v. Chr.   wird aus dem Senat ausgestoßen (wegen Stellungnahme  für Caesar)
48 v. Chr.   wird zum zweiten Mal Quästor und tritt auch wieder in den Senat ein
46 v. Chr.   geht als Prätor ( höchster Justizbeamter) mit Caesar nach Afrika
                  wird Stadthalter der neuen Provinz Afrika
44 v. Chr.   Rückzug aus der Politik (nach Caesars Ermordung)
                  Studium der Geschichte und Geschichtsschreibung
34 v. Chr.   in Rom gestorben



Quellenangaben:


http://www.altenforst.de/faecher/latein/sallust.htm                                

Dieter Krug:   „Gaius Sallustius Crispus“
                      in: Coniuratio Catilinae
                      bearbeitet von J. Blänsdorf und E. Lederbogen
                      Klett Verlag, Stuttgart 1984

© WWG-Latein Freitag, 20. Oktober 2000