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Deutscher Kolonial-Atlas mit Jahrbuch 1918, herausgegeben auf Veranlassung der Deutschen Kolonialgesellschaft. Berlin 1918
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Deutsch-Ostafrika
(S. 20)
Geschichte : Am 27.
Februar 1885 wurde den Landeserwerbungen des Dr. Karl Peters der Kaiserliche
Schutzbrief erteilt. 1889/90 überwand Hermann v. Wißmann den Araberaufstand.
1890 wurden Witu sowie Zanzibar und Pemba den Engländern überlassen. Von
Eingeborenenerhebungen sei die der Jahre 1905/1906 genannt.
Größe : Mit den dazu gehörigen Wasserflächen 997.000 qkm (= zweimal
Deutsches Reich). Die Grenzen sind durch Verträge mit Portugal, Belgien und
England in den Jahren 1904 bis 1912 festgelegt worden.
Bevölkerung : Europäer : 1904 : 1437, darunter 1102 Deutsche. 1905 :
1873, darunter 1324 Deutsche und 316 erwachsene Frauen. 1906 : 2465, darunter
1499 Deutsche und 401 erwachsene Frauen. 1908 : 2845 Weiße, darunter 2014
Deutsche und 507 erwachsene Frauen. 1909 : 3387 Weiße, darunter 2384 Deutsche
und 582 Frauen. 1910 : 3756 Weiße, davon 2703 Deutsche und 921 Frauen. 1911 :
4227 Weiße, darunter 3113 Deutsche und 1058 Frauen. 1912 : 4866 Köpfe, davon
3579 Deutsche und 1237 Frauen. 1913 : 5336 Weiße, davon 4107 Deutsche und
1426 Frauen. Seit 1904 am Kilimandscharo und Meru, eine Einwanderung von Buren
und europäischen Siedlern (Schwaben aus Rußland und Palästina,
Reichsdeutsche, Griechen, Italiener usw.) Die schwarze Bevölkerung wurde
bisher durchweg zu hoch angenommen; sie beträgt etwas über 7 ½ Millionen.
Wesentlichster Bestandteil Bantuneger. Die Bantu des südlichen Teils des
Schutzgebietes sind den Sulu verwandt. In den Steppen des Nordens bis in die
Mitte des Schutzgebietes wohnen in kleinen Freistaaten die von Norden
eingedrungenen Massai (Hamiten mit den Sprachen der nilotischen Völker); im
Nordwesten, zwischen Victoria- und Tanganjika-See als herrschende Klasse
inmitten von Bantu, die hamitischen Wahima oder Watussi, in der Landschaft
Ruanda.
Ein Mischvolk von Arabern und Eingeborenen sind die Wasuaheli, deren Idiom,
eine mit arabischen Worten durchsetzte Negersprache (Kisuaheli), die
ostafrikanische Verkehrssprache geworden ist, bis weit in den Kongostaat
hinein. Neben den Eingeborenen wohnen an der Küste Araber (Maskat- und
Schihiriaraber), Beludschen, Inder, Parsi, Goanesen, Syrer, Ägypter, Türken.
1912 : (gesamte nicht einheimische farbige Bevölkerung) 14.900, davon 8800
Inder und 4100 Araber. (S. 21)
Bodengestaltung : Deutsch-Ostafrika ist ein Teil der sich von Abessinien
bis zum Tafelberg erstreckenden Hochebene; vom Indischen Ozean landeinwärts
ansteigend, gliedert sie sich durch mehrere von S. nach N. verlaufenden Längsspalten
(Gräben) und erhebt sich im Schutzgebiet zu einer Höhe von 1000-1500 m und
darüber.
An der Nordgrenze der doppelgipflige Kilimandscharo (westliche Spitze : Kibo,
6010 m, östliche Spitze Mawensi, 5355 m), bedeckt eine Fläche von 3770 qkm.
Westlich davon der 4730 m hohe Meru. Zur Linken des Pangani, das nach Westen
steil abfallende Paregebirge, südöstlich davon nahe der Küste das Usambaragebirge.
Als Fortsetzung des Paregebirges erscheint auf dem rechten Panganiufer die
Terrasse von Usigua. Mit dem Gebirge von Nguru beginnt das durch Ussagara und
Uhehe bis zum Njasa in einem Bogen sich fortsetzende Randgebirge. Auf der
Grenze zwischen Ussagara und Uhehe die Rubeho-Berge. In den Njassabergen
Gipfel von 3000 m, am Nordostende des Njassa das Livingstonegebirge. Im
Nordwesten des Schutzgebietes die Berge von Urundi und Ruanda. In der
Grabenspalte nördlich des Kiwu-Sees die noch tätigen Kirunga-Vulkane.
Bewässerung : Die Hochebene im Innern ist vorwiegend wasserarm. In den
Indischen Ozean (in der Reihenfolge von Norden nach Süden) ergießen sich
folgende Flüsse : der Umba, der in seinem Unterlauf schiffbare Pangani
(Quelle auf dem Kilimandscharo), der Wami und Ruwu (münden Zanzibar gegenüber),
der der im Unterlauf bedingt schiffbare Rufiji (mit dem Kilombero oder Ulanga
und Ruaha, am Ausfluß des Rufiji die Insel Mafia), der Mbemkuru, der Lukuledi
und der Rowuma (Grenzfluß im Süden).
In den Tanganjika-See fließt der Mlagarassi, in den Victoria-See der auf
britischem Gebiet mündende Kagera, der südlichste Quellfluß des Nils, dem
Njassa entströmt südwärts zum Sambesi der Schire, der aber außerhalb von
Deutsch-Ostafrika verläuft.
Zum Teil zum deutschen Schutzgebiet gehören die drei großen Süßwasserseen
Inner-Afrikas : der inselreiche Victoria-See (1132 m über dem Meeresspiegel,
66.000 qkm groß = Königreich Bayern), der Tanganjika (782 m über dem
Meeresspiegel, 35.000 qkm groß = Provinz Ostpreußen), der Njassa (477 m über
dem Meeresspiegel, 27.000 qkm groß = Provinz Westpreußen) und der
buchtenreiche Kiwusee, nördlich des Tanganjika, der nur zum Teil deutsch ist.
Westlich vom Kilimandscharo befinden sich der Natron- (610 m), der Njarasa
(1020 m) und der Manjara-See (965 m), sowie nordwestlich vom Njassa der
Rukwa-See (820 m). Sie bilden abflusslose Becken.
Klima : Deutsch-Ostafrika gehört in seiner ganzen Ausdehnung vom 1.
Grad südl. Breite bis zum 12. Grad der heißen Zone an. Vom Mai bis September
weht der Südwestpassat, vom Dezember bis März der Nordostpassat. Die Winde
tragen die Feuchtigkeit über das Festland und bestimmen die Regen- und
Trockenzeit. Meteorologische Hauptstation Daressalam, daneben 330 Regenmeßstationen.
An der Küste erwartet man die kleine Regenzeit im November und die große in
den Monaten März und April. Der kühlste Monat ist der Juli, in dem die
Temperatur des Nachts auf 16 Grad sinkt, während sie am Tage gegen 35 Grad
Celsius und mehr beträgt. In den oben genannten Hochländern kann der Europäer
ohne Schaden an seiner Gesundheit leben.
Pflanzenwelt : An der Küste, besonders an Flußmündungen,
Sumpfvegetation. Zone der Mangroven. Dahinter Pori, Buschsteppe mit häufigerem
Baumwuchs (Akazien, Affenbrotbäume, Euphorbien usw.) In den Gebirgen
teilweise ausgedehnte Wälder mit brauchbarem Nutzholz, z.B. der Schume-Wald
im Bezirk Wilhelmstal mit großen Zederbeständen. Kulturpflanzen : Baumwolle,
Faseragaven, Kaffee, Kautschuk, Kokospalme, Reis, Bananen, Ananas,
Gerberakazie, Erdnüsse, Sesam, Sorghum, Reis, Zuckerrohr usw.
Tierwelt : Eine tropische Fauna mit Affen, großen Raubtierkatzen,
Dickhäutern, Krokodilen. Zum Schutze des Wildes bestehen in der Kolonie eine
Anzahl von Wildreservaten, in denen jegliche Ausübung der Jagd verboten ist.
Jedenfalls mehr Verwandtschaft mit der südafrikanischen als mit der
westafrikanischen Tierwelt. Beide Faunen stoßen in der Nordwestecke der
Kolonie zusammen. Einen gesonderten, in sich geschlossenen Charakter hat die
Fauna der großen Binnenseen. In der Ausfuhr spielen einige Jagdprodukte eine Rolle;
außerdem sammelt der Neger das Wachs aus den Stöcken wilder Bienen; die
Haustierzucht erzeugt hauptsächlich Felle und Häute.
Mineralien : In Sekenke und Ikoma abbauwürdige und abgebaute
Goldvorkommen. Am Mlagarassi Solquellen (Saline Gottorp). Am Njassa vielleicht
abbauwürdige Kohlenlager. An mehreren Stellen Granaten und Glimmer
(Glimmerausfuhr 1908 : 78.000 kg im Werte von 211.000 M., 1909 : 259.000 M.,
1910 : 321.000 M., 1911 : 348.000 M., 1912 . 582.000 Mark).
Handel : Ausgeführt werden Kautschuk, Elfenbein, Sesam, Kopal, Kokosnüsse,
Kopra, Erdnüsse, Matten, Baumwolle, Hanf, Hölzer, Häute und Felle,
Bienenwachs, Hörner, Butter (Samli), Kaffee.
Eingeführt werden Baumwollwaren, Reis, Mehl, Eisen und Eisenwaren, Wein,
Bier, Butter, Zucker, Fleisch und allerlei Nahrungsmittel, Petroleum, Zement,
Gemüse und Obst, Tabak, geistige Getränke usw. Werte der Ein- und Ausfuhr
siehe Tabellen auf Seite 10.
Verkehr : Eisenbahnen : Die Usambarabahn ist auf der 352 km langen
Strecke Tanga-Aruscha in regelmäßigem Betrieb seit 1911. Befördert wurden
1912 259.000 Personen, 33.000 Tonnen Güter und 6250 Stück Vieh. - Der Bau
der am 16. Juni 1904 vom Reichstage bewilligten Eisenbahn Daressalam-Morogoro
(225 km) ist Ende 1904 in Angriff genommen worden und hat im Oktober 1907
Morogoro erreicht. Die Fortsetzung bis Tabora (850 km) wurde im Februar 1912
(S. 22) fertiggestellt. Weiterbau bis zum Tanganjika (412 km) im Dezember 1911
bewilligt, die Gleisspitze hat Anfang 1914 bei Kigoma den Tanganjikasee
erreicht. Länge 1252 km. Befördert wurden 1912 : 107.000 Personen, 84.300
Tonnen Güter, 13.000 Stück Vieh.
Schiffsverkehr : Die elf Häfen der Kolonie wurden 1909 von 488 Dampfern mit
rund 1.520.000 Registertonnen angelaufen, 1910 von 933 Schiffen mit 2.000.000
Registertonnen, 1911 : 549 Dampfer mit 1.690.000 Registertonnen, 1912 . 586
Dampfer mit 1.800.000 Registertonnen, abgesehen von dem Küstenverkehr der
Gouvernements-Fahrzeuge. Außerdem findet ein reger Verkehr von Seglern
(Dhaus) statt. Auf dem Victoria-See verkehrt die deutsche Pinasse
"Ukerewe" neben verschiedenen englischen Dampfern und deutschen,
sowie britischen Dhaus; auf dem Tanganjika-See "Hedwig v. Wissmann"
- mehrere größere Schiffe sind in Kigoma in Bau - auf dem Njassa
"Hermann v. Wissmann". In Daressalam ist ein Schwimmdock
stationiert.
Post und Telegraphie : Ende 1913 : 54 Anstalten, darunter 34 mit
Telegraphenbetrieb und 18 mit Ortsfernsprecheinrichtungen; 2537 km
Landtelegraphenlinien. Verkehr 1912 : 3.676.500 Briefsendungen, 177.779
Postanweisungen mit 41.819.584 Mk., 69.929 Pakete, 465.200 Zeitungsnummern,
315.965 Telegramme, 304.153 Gespräche, Postverbindungen : vier- bis fünfmal
monatlich, Beförderungsdauer Berlin-Daressalam 20 bis 21 Tage. Telegrammgebühr
für das Wort nach Bismarcksburg und Udjidji 3,15 Mk., Nach den übrigen Anstalten
2,75 M. Außerdem 3 Funkentelegraphenstationen in Muansa, Bukoba und
Daressalam.
Schulwesen : Europäerschulen bestehen in Daressalam zwei, in Leudorf,
Aruscha, Oldongo-Sambo je eine. Regierungsschulen für Farbige in Tanga,
Bagamojo, Daressalam, Tabora, Lindi, Kilwa, Bukoba, Muansa, Ssongea,
Neu-Langenburg, Mpapua und noch acht Nebenschulen, alle in Verbindung mit
Handwerksunterricht. Weiter Missionsschulen beider Bekenntnisse.
Verwaltung : Sitz
des Gouverneurs ist Daressalam. Gouverneur seit 1912 Dr. H. Schnee. Das
Schutzgebiet zerfällt jetzt in 24 Verwaltungsbezirke, Wilhelmstal, Tanga,
Pangani, Bagamojo, Morogoro, Daressalam, Rufidji (Utete), Kilwa, Lindi,
Langenburg, Ssongea, Iringa, Tabora, Udjidji, Bismarckburg, Dodoma,
Kondoa-Jrangi, Aruscha, Mahenge, Moschi, Muansa, Bukoba, Urundi (Gitega) und
Ruanda (Kigali).
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| Quelle: Deutscher Kolonial-Atlas mit Jahrbuch 1918, herausgegeben auf
Veranlassung der Deutschen Kolonialgesellschaft, bearbeitet von P.
Sprigade und M. Moisel. Uebersichten und Rückblicke von Dr. Karstedt.
Berlin 1918, S. 20ff. |
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