Jurek Becker

Louis Begley: Lügen in Zeiten des Krieges

(erschienen im Suhrkamp Verlag Frankfurt, Originaltitel: Wartime Lies, 1991)


In diesem Roman erzählt ein älterer Mann jüdischer Herkunft die Geschichte seiner Kindheit in Polen während der deutschen Besatzungszeit, die Erlebnisse seiner Flucht vor den Nazis und die immer wieder glücklichen Rettungen vor allem dank der Klugheit und Tatkraft seiner Tante Tania.
Der Roman ist autobiographisch, Louis Begleym (*1933) lebt seit 1947 in den USA, studierte in Harvard und arbeitete in einer renommierten New Yorker Anwaltskanzlei. Mit der Veröffentlichung dieses Romanes - des ersten - gab Begley eine Geschichte une eine Identität Preis, die er bis zum 57. Lebensjahr geheim gehalten hatte.



Maciek, geboren 1933 (Reichstagsbrand) in einer Stadt in Südpolen, gehört einer gutsituierten jüdischen Familie an, der Vater ist angesehener Arzt (Studium in Wien), die Großeltern sind wohlhabend und nach dem frühen Tod seiner Frau führt deren tatkräftige, schöne und eigenwillige Schwester Tania den Haushalt. Die Kindheit wird beschrieben, das Leben ist nicht aufregend, der junge Maciek ein kränkliches Kind, das von einer katholischen Kinderfrau erzogen wird. 1938 erfolgt der 'Anschluss' Österreichs an das Reich, September 1939 der deutsche Überfall auf Polen, die Großeltern ziehen vom Land in die Stadt, um den Deutschen zu entkommen.

II. 1941 Überrennen die Deutschen Ostpolen. Vorher evakuieren die Russen das Personal des Krankenhauses, in dem Vater arbeitet, dieser geht mit nach Russland und lässt Eltern und Sohn in der Obhut Tanias zurück. Die SS beginnt mit der Verfolgung und Erschießung von Juden in der Stadt. Die Familie muss ihr Haus verlassen, es wird nun Gestapo-Hauptquartier, und in eine Wohnung ziehen. Aufgrund ihrer guten Deutschkenntnisse erhält Tania eine Anstellung bei der deutschen Kommandantur, wo sich ein einarmiger Offizier, Reinhard, in sie verliebt. Er schützt die ganze Familie und versteckt sie sogar in einer seiner requirierten Wohnungen. Großvater besorgt sich falsche Papiere und verschwindet damit nach Warschau. An Weihnachten 1941 war die Stadt T. 'judenrein'.

III. Sie halten sich jetzt in Reinhardts Wohnung versteckt, gehen von Zeit zu Zeit aus, wo sie von dem im Untergrund lebenden Juden Hertz angesprochen werden. Dieser verfügt über besondere Informationen und teilt ihnen eines Tages mit, dass die Gestapo Reinhardt auf die Schliche gekommen sei, woraufhin dieser sich und die Großmutter erschießt. Tania und Maciek ziehen nun durch verschiedene verlauste und verwanzte Quartiere, bis die falschen Papiere, die Hertz ihnen (gegen Schmuck) besorgt, fertig sind.

IV. Mit arischer Identität kommen beide im März 1943 in Warschau an, wo sie sich einquartieren. Tania stellt Nachforschungen nach Großvater an und macht ihn tatsächlich ausfindig. Sie treffen sich regelmäßig in einer Kirche. Mit Vorsicht, Berechnung und einem sicheren Netz von Lügen kommen sie in den Wirren der Besatzungszeit vorläufig durch, die Niederschlagung des Aufstandes im Warschauer Ghetto erleben sie nur von weitem als Zuschauer. Maciek geht in den Kommunionsunterricht und schließlich zur Kommunion, nicht ohne großen inneren Zwiestreit. Über BBC erfahren sie, dass sich das Kriegsglück gegen die Deutschen zu wenden beginnt und die Russen im Vormarsch sind.

Am 1. August 1944 beginnt der Aufstand der polnischen Widerstandskämpfer in Warschau - verfrüht, denn die Russen waren nicht bereit zu Hilfe zu kommen. Die deutsche Luftwaffe bombadiert die Stadt systematisch und gnadenlos, und Tania und Maciek werden bei dem Versuch, sich durch die Fronten hindurchzuschlagen und nach mehreren Tagen Aufenthalt in Kellern von den Deutschen gefangengenommen. Sie entkommen den Greueln der Deutschen, den Brutalitäten der ukrainischen Hilfstruppen und dem Transport nach Auschwitz durch eine List Tanias: Mit Hilfe ihres tadellosen Deutsches gelingt es ihr einen deutschen Offizier glauben zu machen, dass sie mit diesen Gefangenen nichts zu tun habe, worauf dieser die zwei in einen Zug setzt, der die Stadt verlässt.

VI. Sie steigen auf halbem Weg auf einem Dorfbahnhof aus und es gelingt Tania und ihrem Neffen bei Bauern unterzukommen. Bald steigt sie in den Handel mit schwarzgebranntem Vodka (Bimber) ein, während Maciek Kühe hütet. Wieder gelingt es ihr, den Großvater ausfindig zu machen, tritt eine lange Winterreise über das Land an um ihn zu finden, erfährt aber nur noch von seinem Tod durch deutsche Soldaten.

VII. Wenig später - trotz Macieks Lungenentzündung -fliehen sie aus dem Dorf in die Stadt Kielce, werden dort aber ausgebombt und retten sich wieder in Keller. Die Stadt wird von den Russen erobert. Es ist jetzt Januar 1945.

VIII. Die Geschichte ist zu Ende. Sie ziehen nach Krakau und behalten ihre arische Identität bei, denn nach dem Rauswurf der Deutschen kommt es zu antijüdischen Pogromen. Macieks Vater kehrt aus Russland heim, ebenfalls mit neuer Identität und mit einer neuen Frau, einer Doktorin. Maciek besucht ein Gymnasium, hat einen deutschen Schäferhund und polnische Freunde.


Zentrale für Unterrichtsmedien (ZUM e.V.) - Klaus Dautel 1999/2006 (cc)

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