Jurek Becker

Jakob - ein Held?

"... ich will erzählen, daß er ein Held war. Keine drei Sätze sind ihm über die Lippen gekommen, ohne daß von seiner Angst die Rede war, aber ich will von seinem Mut erzählen." (S. 44)


    Arbeitsaufträge:

  1. Zum Diskutieren:
    - Was zeichnet einen Helden/eine Heldin aus?
    - Wer sind die Helden/Heldinnen von heute?

  2. Zum Nachschlagen und Vergleichen: Was sagen Lexika zum Stichwort "Held"? (siehe Hinweise)

  3. Erarbeitung einer eigenen Definition als Vorarbeit für die Einschätzung von Jakobs Heldentum:

    Wähle Adjektive aus (rechts) und trage diese in den Lückentext (links) ein:

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    | DEFINITION:                                 eigenwillig, uneigennützig |
    |                                               unerbittlich, reich,     |
    | HELDEN sind ________________ Menschen,         vorbildhaft, zäh, gut,  |
    |                                                 stark, schön, mutig,   |
    | die sich ______________________________,         interessant, spannend |
    |                                                   erfolgreich, klug    |
    |  ________________und_____________                gnadenlos, einmalig   |
    |                                                 einen guten Zweck      |
    | für______________________________             Menschheit, Rettung      |
    | einsetzen,                                  Revolution, Umwelt, Frauen |
    | wie zum Beispiel_________________          Macht, Herrschaft, Armut    |
    |                                           Gut und Böse, Reich und Arm  |
    |                                         Unterdrückte, Menschenrechte...|
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                                 ||
                                 \/
                      Wäge ab und begründe:
                     /                     \
                    /                       \
      Jakob IST ein Held,                   Jakob ist KEIN Held, 
      weil...                               weil.....
      weil...                               weil.....
      weil...                               weil.....
    

Stimmen zum Thema Helden


Zum Analysieren und Diskutieren:

In Bertolt Brechts 1940 verfassten "Flüchtlingsgesprächen" treffen sich zwei Emigranten, der Physiker Ziffel und der Arbeiter Kalle, im Bahnhofsrestaurant von Helsinki. Sie unterhalten sich über die Lage in Nazi-Deutschland, über die politische Weltlage und ihre eigenen Zukunftsaussichten. Dabei äußert sich Ziffel über das Heldentum in moderner Zeit folgendermaßen:

"Kalle, Kalle, was sollen wir armen Menschen machen? Überall wird Übermenschliches verlangt, wo sollen wir noch hin? (...) Über dem ganzen Kontinent nehmen die Heldentaten zu, die Leistungen des gemeinen Mannes werden immer gigantischer, jeden Tag wird eine neue Tugend erfunden. Damit man zu einem Sack Mehl kommt, braucht man eine Energie, mit der man früher den Boden einer ganzen Provinz hätte urbar machen können. Damit man herausbringt, ob man schon heut fliehen muß oder erst morgen fliehen darf, ist eine Intelligenz nötig, mit der man noch vor ein paar Jahrzehnten hätt ein unsterbliches Werk schaffen können. Eine homerische Tapferkeit wird gefordert, damit man auf die Straße gehen kann, die Selbstentsagung von einem Buddha, damit man überhaupt geduldet wird. Nur wenn man die Menschlichkeit von einem Franz von Assissi aufbringt, kann man sich von einem Mord zurückhalten. Die Welt wird ein Aufenthaltsort für Heroen, wo sollen wir da hin? Eine Zeitlang hats ausgesehen, als ob die Welt bewohnbar werden könnt, ein Aufatmen ist durch die Menschen gegangen. Das Leben ist leichter geworden. Der Webstuhl, die Dampfmaschine, das Auto, das Flugzeug, die Chirurgie, die Elektrizität, das Radio, das Pyramidon kam, und der Mensch konnte fauler, feiger, wehleidiger, genußsüchtiger, kurz glücklicher sein. Die ganze Maschinerie diente dazu, daß jeder alles tun können sollte. Man rechnete mit ganz gewöhnlichen Leuten in Mittelgröße. Was ist aus dieser hoffnungsvollen Entwicklung geworden? Die Welt ist schon wieder voll von den wahnwitzigsten Forderungen und Zumutungen. Wir brauchen eine Welt, in der man mit einem Minimum an Intelligenz, Mut, Vaterlandsliebe, Ehrgefühl, Gerechtigkeitssinn usw. auskommt, und was haben wir? Ich sage Ihnen, ich habe es satt, tugendhaft zu sein, weil nichts klappt, entsagungsvoll, weil ein unnötiger Mangel herrscht, fleißig wie eine Biene, weil es an Organisation fehlt, tapfer, weil mein Regime mich in Kriege verwickelt. Kalle, Mensch, Freund, ich habe alle Tugenden satt und weigere mich, ein Held zu werden."

Brecht Werke, Jubiläumsausgabe Bd.5, Frankfurt 1997, S.114/5

Pyramidon - Fieber- und Schmerzlinderungsmittel


1. Gebe Ziffels Position in eigenen Worten wieder und
2. nehme Stellung.


Zentrale für Unterrichtsmedien (ZUM e.V.) - Klaus Dautel 1999/2006 (cc)

Ohne ein bisschen Werbung geht es nicht. Ich bitte um Nachsicht, falls diese nicht immer ganz themengerecht sein sollte.
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