Naturlyrik Überlegungen und Arbeitsvorschläge

Heinrich Heine und der verlorene Zauber der Natur

Heine gilt auch als „entlaufener" Romantiker. Er nahm die großen Gefühle seiner romantischen Zeitgenossen nicht mehr sehr ernst: Das Liebesschmachten und Dahinschmelzen, das hoffnungsvolle und hoffnungslose Sehnen, die Naturmagie, der Märchenzauber usw. Viele seiner Gedichte entzaubern diese romantischen Gefühle mit den Mitteln der milden Übertreibung und mit humorvollen Pointen.
Z.B. in dem Frühlingsgedicht „Wahrhaftig”, das so endet:

Oder in diesen Gedichten vom Meer:
Es antwortet nicht mehr. Weder löst es wahre Gefühle aus, noch löst es das Rätsel des Lebens. Es bleibt es selbst und sonst nichts.

Das Fräulein, der Jüngling und das Meer

Das Fräulein

Das Fräulein stand am Meere 
Und seufzte lang und bang, 
Es rührte sie so sehre 
Der Sonnenuntergang.

„Mein Fräulein! sein Sie munter,
Das ist ein altes Stück; 
Hier vorne geht sie unter 
Und kehrt von hinten zurück.”

Neue Gedichte Seraphine X
Fragen

Am Meer, am wüsten, nächtlichen Meer
Steht ein Jüngling-Mann,
Die Brust voller Wehmut, das Haupt voll Zweifel,
Und mit düstern Lippen fragt er die Wogen:

„O löst mir das Rätsel des Lebens,
Das qualvoll uralte Rätsel,
Worüber schon manche Häupter gegrübelt,
Häupter in Hieroglyphenmützen.
Häupter im Turban und schwarzem Barett,
Perückenhäupter und tausend andre
Arme, schwitzende Menschenhäupter -
Sag mir, was bedeutet der Mensch?
Woher ist er kommen? Wo geht er hin?
Wer wohnt dort oben auf goldenen Sternen?"

Es murmeln die Wogen ihr ewges Gemurmel,
Es wehet der Wind, es fliehen die Wolken,
Es blinken die Sterne, gleichgültig und kalt,
Und ein Narr wartet auf Antwort.

Buch der Lieder, Die Nordsee - Zweiter Zyklus VII

Eine kurze Erläuterung zu „Fragen":
Die Hieroglyphenmützen beziehen sich auf die Priester des alten Ägypten, das Barett ist eine Kopfbedeckung aus der Ritterzeit, die Perücke wurde an den großen und kleinen Höfen absolutistischer Fürsten getragen. Wir haben hier also einen Schnelldurchgang durch die Geschichte der Menschheit. Und was trug man vor hundert Jahren auf dem Kopf, was trägt der Mann heute?

FRAGEN

Hier eine Vorlage zur Gedichtinterpretation:
  1. EINLEITUNG: Das Gedicht 'Fragen' von Heinrich Heine gehört zum zweiten Teil des Zyklus "Die Nordsee", welcher Gedichte Heines aus den Jahren 1825-26 zusammenfasst.
    Es beschäftigt sich mit ...

    Es erweckt den Eindruck ...

    Die Form des Gedichtes zeichnet sich durch ungleichmäßige Strophen- und Zeilenlängen aus, ein Reim ....

    ebenso wie auch das Metrum ...

    Seine Sprache ...

    Besonders auffällig ist/sind ...

  2. HAUTPTEIL: In der ersten, nur vier Zeilen umfassenden Strophe, wird die folgende Situation entworfen: Ein ”Jüngling-Mann" (Z.2) steht am Meer, seine Stimmung ist gedrückt, sein Inneres entspricht der äußeren Situation. so wie das Meer nächtlich ”wüst" (Z.1) und aufgewühlt ist, so ist auch er innerlich erregt und von „düstern" Gedanken geplagt. Die auf den ersten Blick merkwürdig anmutende Bezeichnung ”Jüngling-Mann" (Z.2) gibt hierbei Hinweise auf die Gründe für dessen innere Verfasstheit: Er befindet sich im Übergang vom Jüngling- zum Erwachsenensein, wie jedes Zwischenstadium ist auch dieses voller Unsicherheiten, voller ”Zweifel" (Z.4) und - so lautet ja auch der Titel des Gedichtes - voller ”Fragen".

    In der zweiten, mehr als doppelt so langen Strophe, kommt nun der junge Mann selbst zu Wort. Seine mit „düstern Lippen" (Z.4) in die Wogen geschleuderte Rede beginnt mit der Aufforderung, ...

    Doch gleichzeitig wird deutlich, dass diese Fragen ....

    denn ...

    Die Geschichte der zivilisierten Menschheit wir in einer ganzen Reihe von grübelnden ”Häuptern"(Z.7) und vor allem ihren Kopfbedeckungen angedeutet: ....

    Das Haupt und seine Kopfbedeckung ist ein Motiv / Symbol ...

    Die Rede des jungen Mannes gipfelt in ....

    Der dritte Strophe schließlich kehrt zur Ausgangssituation zurück, es wird wieder eine Außenperspektive eingenommen, die den Leser in die Ausgangssituation zurückführt: Nichts hat sich über dieser Rede verändert, immer noch ...

    Das Wasser, das Meer murmelt sein "ewges Gemurmel", wobei dessen Monotonie noch durch die Klangqualität des doppelt verwendeten Wortes "murmeln" intensiviert wird, nur dass nun der "Jüngling-Mann" zum "Narr" (Z.18) geworden ist. Warum?
    Weil ...

  3. SCHLUSS: In diesem Gedicht beschäftigt sich Heinrich Heine mit „Fragen", die ...

    Sowohl die Notwendigkeit dieser Fragen als auch die Nutz- oder Hoffnungslosigkeit, eine Antwort erhoffen zu dürfen, werden thematisiert. ...

    Die Natur, das vom Jüngling beschworene Meer und der nächtliche Himmel sind / erscheinen in diesem Gedicht ...

    Auf mich wirkt das Gedicht ...

 


Ohne ein bisschen Werbung geht es nicht. Ich bitte um Nachsicht, falls diese nicht immer ganz themengerecht sein sollte.
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