Naturlyrik Überlegungen und Arbeitsvorschläge

Am Meer: Stimmen und Stimmungen

Drei Annäherungen an das Meer

I.

Ergänze diese Liste :

weit, zeitlos, endlos, grenzenlos, wüst, wild, blau, tief, aufgewühlt, laut, stürmisch, friedvoll

Horizont, Gischt, Brandung, Sog, Ebbe, Flut, Gezeiten, Winde, Strand, Ufer, Klippen, Riffe, Kreuzfahrt, Ruhe, Schwarm,

baden, schwimmen, tauchen, schnorcheln, segeln,

Sortiere diese Begriffe in solche mit positiver Konnotation und solche mit negativer Konnotation
Versuche anschließend Dein Meeresbild zu charakterisieren. Beginne folgendermaßen:

II.



Caspar David Friedrich: Mönch am Meer, 1810
Empfindungen vor Friedrichs Seelandschaft
„Herrlich ist es, in einer unendlichen Einsamkeit am Meeresufer, unter trübem Himmel, auf eine unbegrenzte Wasserwüste, hinauszuschauen. Dazu gehört gleichwohl, daß man dahin gegangen sei, daß man zurück muß, daß man hinüber möchte, daß man es nicht kann, daß man alles zum Leben vermißt, und die Stimme des Lebens dennoch im Rauschen der Flut, im Wehen der Luft, im Ziehen der Wolken, dem einsamen Geschrei der Vögel, vernimmt. [...] Nichts kann trauriger und unbehaglicher sein, als diese Stellung in der Welt: der einzige Lebensfunke im weiten Reiche des Todes, der einsame Mittelpunkt im einsamen Kreis. Das Bild liegt, mit seinen zwei oder drei geheimnisvollen Gegenständen, wie die Apokalypse da, ... und da es, in seiner Einförmigkeit und Uferlosigkeit, nichts, als den Rahm, zum Vordergrund hat, so ist es, wenn man es betrachtet, als ob einem die Augenlider weggeschnitten wären ...”
Heinrich von Kleist: Sämtliche Werke und Briefe, Band 2, Hanser Verlag, S.327

III.

Thomas Mann: Tod in Venedig (1911) (oder: Der alte Mann und das Meer)

Der 50-jährige Schriftsteller Gustav v. Aschenbach trifft in Venedig ein, verliebt sich - von fern - in einen polnischen Knaben, versäumt dadurch, die von der Cholera heimgesuchte Gegend rechtzeitig zu verlassen, und stirbt nach einem letzten Blick auf den scheidenden Schönen einsam am Strand.

Thomas Mann: Der Tod in Venedig (1911), in: Die Erzählungen, Fischer Verlag 1986

 

Aufgabe: Das Meer - das vollkommene Nichts?
Markiere, fasse zusammen und vergleiche mit aktuellen, populären Vorstellungen von Strand und Meer.

 

Resümee

Das Meer - die zentrale Metapher des Lebens:
als romantischer Sehnsuchtsort (scheinbare Grenzenlosigkeit)
als Todesdrohung (in der Ruhe und im Sturm)
als Lebensquelle (Erholung und Ernährung)
als Sinnbild für das immer Gleiche und doch immer Bewegte (Ruhe und Dynamik)

Aufgabe: Vergleiche mit dem Motiv Baum, von dem ja Ähnliches gesagt wird, und entscheide dich.

Stille, Schweigen, Stimmen, Stimmungen

J.W.Goethe: Meeresstille

Tiefe Stille herrscht im Wasser,
Ohne Regung ruht das Meer,
Und bekümmert sieht der Schiffer
Glatte Fläche ringsumher.
Keine Luft von keiner Seite!
Todesstille fürchterlich!
In der ungeheuern Weite
Reget keine Welle sich.

Joseph von Eichendorff: Meeresstille

Ich seh von des Schiffes Rande
Tief in die Flut hinein:
Gebirge und grüne Lande
Und Trümmer im falben Schein
Und zackige Türme im Grunde,
Wie ich's oft im Traum mir gedacht,
Das dämmert alles da unten
Als wie eine prächtige Nacht.

Seekönig auf seiner Warte
Sitzt in der Dämmrung tief,
Als ob er mit langem Barte
Über seiner Harfe schlief';
Da kommen und gehen die Schiffe
Darüber, er merkt es kaum,
Von seinem Korallenriffe
Grüßt er sie wie im Traum.

Erich Fried

Meer

Wenn man ans Meer kommt
soll man zu schweigen beginnen
bei den letzten Grashalmen
soll man den Faden verlieren

und den Salzschaum
und das scharfe Zischen des Windes einatmen
und ausatmen
und wieder einatmen

Wenn man den Sand sägen hört
und das Schlurfen der kleinen Steine
in langen Wellen
soll man aufhören zu sollen
und nichts mehr wollen wollen nur Meer
Nur Meer

Das beredte Schweigen des Meeres:

Heinrich Heine

Fragen

Am Meer, am wüsten, nächtlichen Meer
Steht ein Jüngling-Mann,
Die Brust voller Wehmut, das Haupt voll Zweifel,
Und mit düstern Lippen fragt er die Wogen:

"O löst mir das Rätsel des Lebens,
Das qualvoll uralte Rätsel,
Worüber schon manche Häupter gegrübelt,
Häupter in Hieroglyphenmützen.
Häupter im Turban und schwarzem Barett,
Perückenhäupter und tausend andre
Arme, schwitzende Menschenhäupter -
Sag mir, was bedeutet der Mensch?
Woher ist er kommen? Wo geht er hin?
Wer wohnt dort oben auf goldenen Sternen?"

Es murmeln die Wogen ihr ewges Gemurmel,
Es wehet der Wind, es fliehen die Wolken,
Es blinken die Sterne, gleichgültig und kalt,
Und ein Narr wartet auf Antwort.

Buch der Lieder, Die Nordsee - Zweiter Zyklus VII ( mehr zu Heines Gedicht...)
Theodor Storm
 
Meeresstrand
 
Ans Haff nun fliegt die Möwe, 
Und Dämmrung bricht herein;
Über die feuchten Watten
Spiegelt der Abendschein.

Graues Geflügel huschet
Neben dem Wasser her;
Wie Träume liegen die Inseln
Im Nebel auf dem Meer.

Ich höre des gärenden Schlammes
Geheimnisvollen Ton,
Einsames Vogelrufen-
So war es immer schon.

Noch einmal schauert leise
Und schweiget dann der Wind;
Vernehmlich werden die Stimmen,
Die über der Tiefe sind.

Im Hiphop wird nicht geschwiegen

Die fantastischen Vier
Tag Am Meer

Jetzt bist du da ein stück deiner zukunft dabei
es ist schon lange klar du fühlst dich frei
wenn die zukunft zur gegenwart wird hast dus getan
das warten war es wirklich dein plan
dann verschwindet die zeit darauf du in ihr
wolken schlagen salti du bist nicht mehr bei dir
die zeit kehrt zurück und nimmt sich mehr von sich
in ihr bist du schneller denn mehr bewegt dich
der moment ist die tat die du tust augenblick
denn dein auge erblickt was du tust und erschrickt
vor dem ding das du kennst weil es immer da war
die musik ist aus und ist immer noch da
hast du das gewollt - hast du angst - zu beginn
doch jetzt ist alles anders denn wir sind mittendrin
es dreht sich nur um uns und es ist nichts wie bisher
und das macht uns zu brüdern mit dem tag am mehr

du spürst das gras hier und da bewegt sich was
es macht dir spaß nein es ist nicht nur das
denn nach dem öffnen aller türen steht am ende der trick
des endes der suche durch das finden im augenblick
du atmest ein du atmest aus
dieser körper ist dein haus und darin kennst du dich aus
du lebst - du bist am leben - und das wird dir bewusst
ohne nachzudenken nur aufgrund der eigenen lebenslust
das gefühl das du fühlst sagt dir es ist soweit
und es ändern sich der zustand der raum und die zeit
der verstand kehrt zurück doch du setzt ihn nicht ein
jeder schritt neues land wird es immer so sein
die spürst die lebensenergie die durch dich durchfließt
das leben wie noch nie in harmonie und genießt
es gibt nichts zu verbessern nichts was noch besser wär
außer dir im jetzt und hier und dem tag am meer

(cc) Klaus Dautel, 2014

Ohne ein bisschen Werbung geht es nicht. Ich bitte um Nachsicht, falls diese nicht immer ganz themengerecht sein sollte.
Dautels ZUM-Materialien: Google-Fuss