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Generation Internet

Die Digital Natives: Wie sie leben, was sie denken, wie sie arbeiten

Hanser (2008), 448 Seiten, ISBN: 3446414843

Generation Internet - Cover
Das Buch „Generation Internet. Die Digital Natives: Wie sie leben, was sie denken, wie sie arbeiten (Hanser Verlag 2008) stammt von zwei Rechtsprofessoren, der eine lehrt in den USA, der andere in der Schweiz. Sie versuchen zu ergründen, wie die Generation derer, die mit und in dem Internet aufgewachsen sind und dementsprechend die Welt davor nicht kennen, diese ihre Welt wahrnehmen, bewältigen und welche Risiken sie dabei eingehen. Zudem haben sie den Anspruch, Eltern, Lehrern, Internet-Anbietern und auch Gesetzgebern Ratschläge zu geben, wie mit diesen „Digital Natives“ umzugehen und auszukommen ist.
Der Begriff „Digital Natives“ als eine Metapher bezeichnet jene Jugendlichen, die das Internet als selbstverständliche Lebenswelt empfinden, im digitalen Raum vor allem über Communities vernetzt sind, ihre Informationen und Wissen aus dem Internet beziehen und ihre Kreativität dort umsetzen. Für sie verschwinden die Grenzen zwischen Online- und Offline-Welt, sie bilden digitale Identitäten aus, über sie werden digitale Dossiers in noch nie da gewesenem Umfang angelegt, sie hinterlassen freiwillig breite Datenspuren, die nicht mehr rückgängig zu machen sind, sie sind Zielscheibe von undurchschauten kommerziellen Interessen, sie befinden sich in ihrem Benutzer-Verhalten oft genug am Rande oder gar außerhalb der Legalität, sie haben ein noch entwicklungsbedürftiges Qualitäts- und Rechtsbewusstsein, sie sind konfrontiert mit Bildern von Gewalt und Pornografie, sie sind potenzielle Opfer und gelegentlich Täter von „Cyberbullying“ - und dennoch liegt die Zukunft der Welt in ihren Händen, sie verfügen mit dem Internet über Werkzeuge und Verhaltensweisen, die zur Lösung der Weltprobleme benötigt werden.

Digital Natives sind also Jugendliche, die ab den 90er-Jahren zur Welt kamen und das Glück hatten, in modernen industriellen Gesellschaften zu leben. Diejenigen, welche davor zur Welt kamen und sich in die digitale Welt eingearbeitet bzw, eingelebt haben, werden Digital Immigrants genannt, wozu sich auch die Autoren zählen.

Dieses Buch ist anregend und informativ. Der Leser nimmt daraus vor allem die Botschaft mit, dass es auch hier zuallererst auf die Eltern und Lehrer ankommt! Sie müssen sich in der digitalen Welt kompetent machen, sich gesprächsbereit zeigen und ihre Kinder schützend begleiten! Aber auch Internet-Firmen und der Gesetzgeber müssen sich ihrer Verantwortung bewusst sein. Die Verfasser haben hier ein einleuchtendes Zuständigkeitsmodell, wonach zuallererst die Erzieher (Eltern und Lehrer), dann die Unternehmer und Softwareanbieter und schließlich der Staat sich um das Wohl und die Sicherheit der Digital Natives zu kümmern haben. Das Vertrauen, genauer: die Vertraulichkeit, mit der sich Digital Natives im Netz bewegen, darf nicht ausgenutzt werden können.

„Generation Internet“ ist besonders in jenen Kapiteln lesenswert, wo sich die juristische Kompetenz der Autoren auswirkt. Diese Kapitel heißen „Dossier“, „Sicherheit“ und „Piraterie“, in ihnen wird vor allem auf die problematischen Seiten der digitalen Welt eingegangen, das sind die durch die Digital Natives losgetretene Datenflut und der damit verbundene Kontrollverlust, die digitale Identität und das digitale Dossier betreffend. Plausible und kompetente Vorschläge und Ratschläge werden nicht nur auf der Ebene von Eltern und Erziehern gemacht, sondern auch im Hinblick auf die Verantwortung der Internetwirtschaft und der staatlichen Institutionen. Was Fragen des Datenschutzes angeht, stehen die Autoren mehr auf der Seite strengerer europäischer Regelungen und sehen in der US-amerikanischen Gesetzgebung noch einigen Nachholbedarf.

Das Kapitel mit der Überschrift „Lernen“ ist demgegenüber eher enttäuschend, konzentriert es sich doch mehr auf Beobachtungen im universitären Bereich, die gegebenen Ratschläge und Hinweise sind eher auf der Ebene des gesunden Menschenverstandes anzusiedeln.

Ein wenig lästig sind zuweilen die Redundanz und eine gewisse Geschwätzigkeit in der Darstellung. Da wird nicht immer sehr stringent hergeleitet oder weitergedacht, eher werden Textteile zusammenmontiert, die von den Autoren im Laufe der Recherchen vermutlich eigenständig verfasst und dann locker zusammengefügt wurden. Wiederholungen lassen sich bei dieser Arbeitsweise nicht vermeiden. Demonstrativ runden die Autoren das Buch dann mit einer Art E-Mail-Konversation ab, natürlich befindet sich der eine im Anflug auf die USA, der andere ist schon dort - das soll wohl deutlich machen, dass die beiden in jeder Hinsicht erfolgreich in die digitale Welt immigriert sind. Wie dem auch sei, dieses „Synthese“ genannte E-Mail-Essay ist eine gelungene Abrundung des Buches und seiner Intentionen.

Ergiebig ist auch immer ein Blick in den umfangreichen Anmerkungsteil, dort findet der interessierte Leser ausreichend Internet-Adressen und Lese-Hinweise zu den jüngsten, meist englisch-sprachigen Untersuchungen und Abhandlungen, so dass, wer es genauer und systematischer haben will, dort weitermachen kann.

verfasst von Klaus Dautel am 19.01.2009 | 1124-mal gelesen

Fachrichtungen: Gemeinschaftskunde fächerübergreifend Informatik


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