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Der weiße Tiger

C.H. Beck (2008), 318 Seiten, ISBN: 3406576915

Der weiße Tiger - Cover
„Er ist erst 34 Jahre alt und landete mit seinem Debüt direkt einen internationalen Erfolg: Der indische Journalist Aravind Adiga erhält für sein Erstlingswerk ‚Der Weiße Tiger’ den Booker-Preis für Literatur. ‚Der Roman ist auf viele Weise perfekt’, schwärmte die Jury. (…) Der Booker-Preis wurde dieses Jahr zum 40. Mal verliehen und ist eine der wichtigsten Auszeichnungen für englischsprachige Literatur. Der Preis wird jedes Jahr für einen Roman aus den Commonwealth-Staaten oder Irland verliehen.“ (Spiegel 15.10.2008)


Ob und auf welch „viele Weise“ (O-Ton Spiegel) der Roman „perfekt“ ist, wie die Booker-Preis-Jury urteilt, vermag ich nicht nachzuvollziehen, Tatsache aber ist, dass ich den Roman mit Neugier und Gewinn gelesen habe, er ist spannend und liefert ein Gesellschaftspanorama des modernen Indiens. Der Ich-Erzähler Balram schildert in sieben Nächten dem Premierminister von China, Jiabao, seine Lebensgeschichte. Diese Erzählsituation ist ziemlich fantastisch, denn natürlich wird die Geschichte den Premier nie erreichen, aber sie bietet einige Vorteile: Z.B. wird so das moderne Indien einem Fremden vorgestellt, wird also von außen und für draußen erklärt. Es ist damit auch dem nicht-indischen Leser geholfen.
Balram erzählt seinen Aufstieg aus einer niederen Kaste zum modernen Unternehmer, aus der „Dunkelheit“ ins Licht; geografisch führt dieser Weg vom Land in die Hauptstadt Delhi und von dort in das Mekka der Start-Up-Firmen: Bangalore. Die Angestellten dieser Start-Up-Firmen arbeiten vorwiegend nachts, weil sie von amerikanische Firmen „outgesourcte“ Dienstleistungen verrichten, die Kommunikation findet über Handy und Internet statt. Wir sind also im 21. Jahrhundert. Balram hat in Bangalore ein Taxi-Unternehmen aufgebaut, das die Angestellten sicher zur Arbeit und wieder nach Hause transportiert. Um es so weit zu schaffen, musste er allerdings einige Hürden überwinden: Die Schule abbrechen, Autofahren lernen, Dorf und Sippe verlassen, sich als Chauffeur und Diener in einer reichen Familie verdingen, schließlich seinen Herrn umbringen, mit dem Geld, das zur Bestechung von indischen Spitzen-Politikern bestimmt war, fliehen und damit die Polizeibehörden seiner neuen Heimat bestechen.
So also sieht eine zeitgemäße indische Karriere aus, erzählt vom Aufsteiger und Mörder selbst. Dennoch, und das ist eine unangenehme Überraschung: Der Leser sympathisiert mit dem Protagonisten, weil er ihn verstehen lernt. Die Fremdheit, Grausamkeit und Verlogenheit der indischen Gesellschaft, der größten Demokratie der Welt, wie es öfter heißt, wird so detailliert und gnadenlos und lustig erzählt, dass der Leser unversehens die Perspektive des Underdogs übernimmt und sich am Schluss dabei ertappen mag, einem Mörder seinen Erfolg zu gönnen.

Also: Der Leser und die Leserin sind gewarnt, das Buch wird dennoch empfohlen, es ist mit etwas mehr als 300 Seiten überschaubar und wer gut Englisch kann, der soll sich das englische Taschenbuch kaufen, das kostet die Hälfte.

verfasst von Klaus Dautel am 04.05.2009 | 1629-mal gelesen

Fachrichtungen: Erdkunde Englisch


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