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Es ist so einfach

Vom Vergnügen, Dinge zu entdecken

Richard Feynman, Piper (2003), Seiten, ISBN: 978-3492237734

Es ist so einfach - Cover
Richard Feynman hatte große Freude daran, die Welt um sich herum zu erforschen. Er konnte scharf analysieren und deckte jede gedankliche »Schummelei« auf. Ehrerbietung gegenüber »Würdenträgern« war im zuwider – auch wenn die Ehre ihm selbst angetragen wurde. Er verließ zum Beispiel die »National Academy of Sciences« wieder, weil es deren Mitgliedern seiner Ansicht nach darin zu sehr darum ging, wen man in den erlauchten Kreis aufnehmen solle und wen nicht. Im Buch »Es ist so einfach: Vom Vergnügen, Dinge zu entdecken« (ich habe es auf Englisch gelesen: »The pleasure of finding things out«) bekommt man ein facettenreiches Bild des großen Physikers Richard Feynman, das auch viele Aspekte außerhalb der Physik enthält. Bei der Lektüre der einzelnen Kapitel des Buches festigt sich der Eindruck von Feynman als einem Menschen, der mit hoher Intelligenz und bewundernswerter geistiger Klarheit sein Leben lang bemüht war, »so viel wie möglich über die Welt herauszufinden.«
Die einzelnen Kapitel hängen nicht zusammen, sondern sind eine Sammlung von Einzelvorträgen, Interviews und Texten, die Feynman zu verschiedenen Zeitpunkten seines Lebens gehalten, gegeben oder geschrieben hat. Das macht das Lesen zeitweise etwas mühsam, weil die Texte inhaltlich und stilistisch so unterschiedlich sind. Vom lockeren, umgangssprachlichen Ton eines Interviews über »alles Mögliche« geht es in einen komplexen Vortrag über die Zukunft von Computern, weiter in einen Text über seine Zeit im Manhattan-Projekt in Los Alamos etc.

* * *

Das erste Kapitel finde ich am schönsten: Darin plaudert Feynman über verschiedene Aspekte der Naturwissenschaft, über seine Kindheit und wie sein Vater ihn an das Entdecken der Welt herangeführt hat.

> So that’s the way I was educated by my father, with those kinds of examples and discussions, no pressure, just lovely, interesting discussions.

Dieser Teil des Buches ist ein Tranksript eines Fernsehinterviews, das man auch auf Youtube finden kann [1]. Es lohnt sich meines Erachtens, das anzuschauen anstatt es zu lesen. Denn in seiner mündlicher Erzählung strahlt Feynman in jeder Sekunde die Faszination für die Natur und deren Entdeckung aus.

In weiteren Kapitel befasst sich Feynman theoretisch mit künftigen Technologien, z.B. mit der Zukunft von Computern oder mit der Frage, wie man möglichst kleine Maschinen bauen könnte. Diese Kapitel beeindrucken dadurch, dass er ausgehend von rein theoretischen Überlegungen Szenarien entwirft, was man physikalisch und technisch realisieren könne und die wissenschaftliche Gemeinschaft dazu auffordert, sich darum zu kümmern.

Das Kapitel über die Arbeit am Manhattan-Projekt gibt interessante Einblicke in die Entwicklung der Atombombe, in die damals verfügbaren Technologien (z.B. zum Rechnen), aber auch in einer selbstkritischen Passage in die Frage, warum Feynman – und viele seiner Kollegen – sich nach dem Abwurf über Hiroshima über die »funktionierende« Bombe gefreut hat. Erst später wurde ihm klar, dass er im Laufe des Projekts den ursprünglichen Zweck der Bombe (Hitler-Deutschland zu besiegen) aus den Augen verloren hatte.


In vielen weiteren Kapiteln geht es um die Rolle der Naturwissenschaft, um den Wert des Zweifelns und Hinterfragens. Etwas, das auch in seinem Bericht über das Challenger-Unglück an die Oberfläche kommt: Feynman wollte den politisch geschönten Bericht der Untersuchungskommission, der er angehörte, nicht mittragen und hat erreicht, dass sein deutlich kritischerer Bericht als Anhang zum offiziellen Bericht veröffentlicht wurde. In diesem Bericht, wie auch zum Beispiel in der Rede über »Cargo Cult Wissenschaft« kommt Feynmans unbedingter Wille zur wissenschaftlichen Aufrichtigkeit, zur klaren Analyse und zur schonungslosen Darstellung der Fakten zum Ausdruck.

* * *

Wer sich für Naturwissenschaften interessiert oder einfach selbst gerne die Welt um sich herum erkundet, wird in diesem Buch eine Menge interessante Einblicke und Denkanregungen finden. Durch die etwas zusammengewürfelte Auswahl der Texte ist das Lesen manchmal erschwert, außerdem werden manche Gedanken etwas redundant behandelt, weil Feynman sie in mehreren Kapiteln anspricht. All das sollte ist aber kein ernsthaftes Hindernis: Es ist ein Vergnügen, Feynman beim Herausfinden von Dingen zu begleiten.


[1] http://www.youtube.com/watch?v=Bgaw9qe7DEE

verfasst von Andreas Kalt am 30.11.2013 | 2910-mal gelesen

Fachrichtungen: fächerübergreifend Physik Astronomie Chemie Biologie Informatik Technik


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