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Running Man

Michael Gerard Bauer, Reihe Hanser (2004/2007), 290 Seiten, ISBN: 9783423624077

Running Man - Cover
M.G.Bauer, geboren 1955 in Brisbane, Australien, war Lehrer bevor er zum Autor von Jugendbüchern wurde. Dies ist sein Debutroman, für den er auf Anhieb einige Kritiker-Preise erhielt. Der Roman spielt in einer kleinen Gemeinde in Australien und beginnt auf dem dortigen Friedhof mit einer Beisetzung. Damit ist klar, dass die nachfolgende Handlung die zu dieser Beisetzung führenden Ereignisse aufrollen wird.
Joseph Davidson, 14 Jahre, wohnt in unmittelbarer Nachbarschaft zum Haus von Caroline und Tom Leyton. Carolines und Toms Eltern sind vor vielen Jahren bei einem Autounfall ums Leben gekommen, ihre Kinder sind - obwohl erwachsen - in das Elternhaus eingezogen, Caroline (jetzt um die 50 Jahre alt) hat nicht geheiratet und geht einer regelmäßigen Arbeit nach, während ihr Bruder im Haus ein unsichtbares Leben führt, so dass wilde Gerüchte über seine Person entstanden sind.

Die Geschichte beginnt damit, dass Caroline Joseph bittet, bei ihnen den Rasen zu mähen, was er auch tut. Bei dieser Gelegenheit kommen sie ins Gespräch, Joseph erzählt von der Schule und einem Kunst-Projekt, das sie durchführen sollen: Das Portrait einer interessanten Person zu erstellen. Caroline schlägt ihm vor, doch ihren Bruder zu portraitieren. Joseph ist verwirrt, da er diese Gerüchte im Kopf hat und sich vor dem Unbekannten fürchtet.

Aber er fürchtet sich noch vor einem anderen, nämlich dem „running man“, der ist ein älterer, abgemagerter und wohl etwas verwahrloster Mann, der immer wieder manisch getrieben durch den Ort läuft und von dem sich der Junge vor vielen Jahren einmal verfolgt wähnte. Seitdem leidet er unter Albträumen vom Running Man.

Joseph geht dann mit sehr gemischten Gefühlen ins Nachbarhaus, wo er tatsächlich die Gelegenheit hat, den verschlossenen, unzugänglichen Mann zu portraitieren. Dabei erfährt er, dass dieser Tom Leyton Seidenraupen züchtet. In den nächsten Tagen sollen sie aus den Eiern schlüpfen müssen.

Tatsächlich sind sie eine Woche später geschlüpft und Josephs Interesse an den Tieren ergibt weitere Gesprächs- und Erkenntnismöglichkeiten. Dabei schenkt ihm Tom L. ein Gedicht mit dem Titel „Seidenraupen“. Unschwer ist darin ein Bezug zur Lebenslage Toms zu erkennen, denn: sie leben in einer Schachtel, die sie freiwillig nie verlassen, in der Ahnung, dass sie „draußen“ untergehen müssten („All their lives in a box!“).

Im weiteren Verlauf eröffnen sie sich gegenseitig ihre Albträume, auch Tom Leyton wird von einem solchen verfolgt, er war nämlich als australischer Soldat im Vietnamkrieg und das dort Erlebte hat ihn völlig aus dem normalen Leben geworfen.

Die gegenseitige Annäherung und Selbstoffenbarung wird parallel geschildert zu der Entwicklung der Seidenraupen in Tom Leytons Zucht (vom Schlüpfen der Larven, deren Verpuppung im Kokon usw.) und der aufmerksame Leser weiß auch sehr bald um deren Gleichnishaftigkeit. Das ist durchaus kunstvoll konstruiert und man bemerkt die literarischen Ambitionen in diesem Erstlingswerk. Im Gegensatz zu den späteren humorvollen „Ismael“-Romanen ist der „Running Man“ von großer Ernsthaftigkeit gezeichnet, der Leser sieht sich dicht ins Innenleben des jugendlichen Helden hinein versponnen. Das ist psychologisch feinfühlig, hält zuweilen aber ziemlich auf, denn die Geschichte besitzt auch großes Spannungspotenzial: Was ist nun das Geheimnis des Tom Leyton? Wie gehen beide mit ihren Traumata um? Wer liegt am Ende in dem Sarg, mit dem alles beginnt?

Der Roman ist die Pflichtlektüre für den Realschulabschluss 2015 in Baden-Württemberg und ausgezeichnet mit dem Katholischen Kinder- und Jugendbuchpreis 2008. Er hat also die höheren Weihen durch den etablierten Bildungsbetrieb erhalten. Aber: Kein Grund ihn nicht zu lesen. Er ist gut!

verfasst von Klaus Dautel am 25.12.2013 | 2238-mal gelesen

Fachrichtungen: evangelische Religion katholische Religion Ethik Deutsch


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