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Beihilfe zum Völkermord

Deutschlands Rolle bei der Vernichtung der Armenier

Jürgen Gottschlich, Ch. Links Verlag (2015), 343 Seiten, ISBN: 978-3-86153-817-2

Beihilfe zum Völkermord - Cover
Der Journalist Jürgen Gottschlich liefert eine gut recherchierte und gut lesbare Darstellung der Vorgänge um die Vertreibung und Tötung Hunderttausender Armenier 1915/16 im Osmanischen Reich. Im Mittelpunkt stehen dabei Hans Human und andere deutsche Politiker und Militärs, die Zeugen dieser Vorgänge wurden und sich in unterschiedlicher Weise dazu äußerten und verhielten.
Jürgen Gottschlich, der selbst in der Türkei lebt und arbeitet, hat über leicht zugängliche Informationen hinaus auch eigenständig in schwerer zugänglichen Unterlagen recherchiert und sich zugleich auch an zahlreiche Orte der Vorgänge von 1915/16 in der Türkei sowie in Deutschland begeben. Seine Darstellung vermittelt somit das Geschehen auf zwei Zeitschienen und mit Blick auf verschiedene beteiligte Akteure und Orte. Das macht seinen Text insgesamt gut lesbar.

Der Autor macht den Anteil, den Vertreter des Deutschen Reichs und auch einige deutsche Militärs im Osmanischen Reich am Völkermord an den Armeniern gehabt haben deutlich. Er belegt dies mit zahlreichen, ein durchaus differenziertes Bild zeichnenden Textbelegen sowie auch einigen Fotos. Er zeigt auch auf, dass die damaligen Ereignisse unter den deutschen (und anderen) Zeitzeugen vor Ort durchaus auch sehr widersprüchliche Reaktionen hervorriefen. So gab es etliche Berichte über Deportationen, Misshandlungen und Tötungen. Es gab auch einige deutsche Verantwortliche, die ein Einwirken deutscher Stellen auf die osmanische Führung einforderten, allerdings ohne Erfolg.

Makaber, aber wohl die Situation insgesamt treffend, ist in diesem Zusammenhang wohl das von Gottschlich hier eingebundenen Zitat:

"Doch die Stimmung der verantwortlichen Stellen war eine andere. Mit Datum vom 15. Juni 1915 schrieb Marineattaché Hans Human einen Vermerk auf das Telegramm von Walter Holstein, der die Abgründe der deutschen Kriegsfraktion schlaglichtartig erhellt:

""Die Armenier werden - aus Anlaß ihrer Verschwörung mit den Russen! - jetzt mehr oder weniger ausgerottet. Das ist hart, aber nützlich. Botschafter kann leider, sehr zum Nachteil unserer Politik, das Lamentieren darüber nicht lassen.

Talaat Bey hat im neulich auf entsprechende Vorhaltungen seelenruhig geantwortet: Wir debarassieren [entledigen] uns der Armenier, um bessere Bundesgenossen für Euch zu werden, d. h. solche ohne die Schwäche eines inneren Feindes."" (S. 197)

Insgesamt kann ich also die Lektüre dieses Buches jedem empfehlen, der mehr über die Verwicklung deutscher Stellen in den Völkermord an den Armeniern1915/16 wissen möchten.

verfasst von Karl-Otto Kirst am 02.06.2016 | 854-mal gelesen

Fachrichtungen: Gemeinschaftskunde Geschichte fächerübergreifend


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