Bertolt Brecht  Leben des Galilei 

5. Bild: Pest, Wissendurst und Aberglaube

Uneingeschüchtert durch die Pest setzt Galilei seine Forschungen fort.

a) Galileis Studierzimmer in Florenz: In der Stadt wütet die Pest. Virginia überbringt Galilei und Frau Sarti die neuesten Nachrichten, man packt hastig zusammen, ein Lakai kündigt an, dass in zwei Minuten eine Kutsche des Großherzogs Galilei abholen werde. Galilei packt umständlich Fernrohr und Bücher ein, der Kutscher will nicht länger warten, er fährt mit "den Kindern" ab, Galilei und Frau Sarti bleiben zurück, Galilei will seine Arbeit nicht im Stich lassen
Galilei: "Ich ... muss Beweise für gewisse Behauptungen sammeln." Frau Sarti: "... vernünftig ist es nicht." (53)

b) Vor Galileis Haus in Florenz: Galilei, da seine Haushälterin weg ist, macht sich auf die Suche nach einem Milchmann. Er erfährt, dass Frau Sarti am Vortage auf der Straße zusammengebrochen sei. Soldaten schieben Galilei, der nun unter Pestverdacht steht, in sein Haus zurück. Da erscheint der verheulte Andrea, der von der Kutsche abgesprungen ist und drei Tage lang zurückgelaufen ist. Zu seiner Mutter bei den Ursulinerinnen hat man ihn auch nicht mehr gelassen. Galilei denkt eigentlich nur an seine "Beweise", mit denen er Andrea auch sofort belästigt. Mehr noch, er schickt ihn noch einmal aus dem Haus und in die verprestete Stadt, um aus der Schule ein Buch mit den Umlaufzeiten des Merkurs zu beschaffen. Andrea - trotz allem - läuft los.



Arbeitsauftrag: Galileis widerspruchsvoller Charakter (Zusammenfassung der Bilder 1 bis 5)

Fragen vorweg: Was sind die herkömmlichen Vorstellungen vom Wissenschaftler‘?
Welche Attribute werden ihm gerne zugeordnet?
Nüchtern, asketisch, zerstreut, leidenschaftslos?
Entspricht Galilei diesem Bild? Oder widerspricht er ihm?

Stichworte: Galilei denkt beim Waschen, Denken als Lust, Milch als Lebenselixier; seine geistigenund körperlichen Bedürfnisse lassen ihn zum Schwindler und Schnorrer werden;
Rücksichtslosigkeit gegenüber seinen Mitmenschen: Tochter, Andrea und Frau Sarti;
Unbedingter Glaube an die Vernunft der Menschen, aber fragwürdiges Wissenschaftsethos ...
Bedingungslosigkeit hinsichtlich seines Wissensdurstes

Tafelanschrieb:
                   Galileo Galilei 
                        als 
        FORSCHER                    GENUSSMENSCH
   unstillbarer Erkenntnis-         abhängig von leiblichen Genüssen
   drang bis zur
   Rücksichtslosigkeit,             schwacher Leib
   Skrupellosigkeit
   und                              Opportunismus (!?)
   Weltfremdheit
      ||                                 ||
      \/                                 \/
   Streben nach Wahrheit            Streben nach Lebensgenuss
               \                       /
                \                     /  
                 \                   /
                     Gemeinsamkeit:
                beide Seiten dieser Person sind
                beherrscht von Maßlosigkeit, 
  
                           ||
                           \/
                      Vorausschau:
                 Ludovico zu Galilei: 
          "Sie werden für immer der Sklave
                ihrer Leidenschaften sein."
                        (Bild 9, S,92) 


© Klaus Dautel, 1998



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